Masten – wollt ihr ewig leben?

Durchaus möglich – zumindest fast – wenn exakt und sorgfältig gearbeitet und gepflegt wird. Dafür ist nur ein wenig handwerkliches Geschick notwendig – und ein großer Hang zu genauem Arbeiten.

Von letzterem kann bei fertig ausgelieferten Masten nicht unbedingt ausgegangen werden. Gerissene Fallen und schamgefiltes Tauwerk kommen durchaus vor. Ursache: Schlecht entgratete Ecken und Kanten, unsauber eingepasste Beschläge.

Denn die Montagen von Mast-Beschlägen und ihre Pflege sind immer reine Handarbeit, deren Gelingen von der Einstellung des Handwerkers abhängen. Warum nicht Ihr selbst?

Dazu passend kommen hier unsere SaF-Tipps:

Tipp No. 1 – Runde Öffnungen

Alle Öffnungen im Mastprofil sollten grundsätzlich nur so groß sein wie erforderlich. Dies garantiert festen Sitz und einwandfreie Funktion der Beschläge. Und es vermeidet eine nicht erforderliche Schwächung des Profils. Darüber hinaus sollten alle Öffnungen immer rund und niemals eckig sein, da in Ecken Spannungskonzentrationen entstehen.

Tipp No. 2 – Öffnungen seitlich versetzen

Schlitzöffnungen für die Fallenaustritte sind immer seitlich versetzt und auf unterschiedlichem Höhenniveau einzuarbeiten. Speziell im unteren Bereich sollten größere Öffnungen ganz vermieden werden, denn hier ist der Stauchdruck am größten. Ähnlich ist es auch im Bereich des Halsbeschlages: Hier werden durch den Großbaum Kräfte eingeleitet und weitere Schwächungen müssen in dieser Zone vermieden werden.

Tipp No. 3 – Nieten mit Monel

Alu und Niro vertragen sich nicht – das weiß jeder Segler.

Daher sollte wo immer möglich mit Monel-Nieten verbunden werden. Nieten aus Monel vertragen sich im Gegensatz zu Niro-Nieten mit Alu. Diese spezielle Legierung ist zwar teurer, die Investition zahlt sich aber aus.

Wobei Alu-Nieten ebenfalls akzeptabel und preiswerter sind. Werften verwenden sie in aller Regel.

Tipp No. 4 – Niro isolieren

Wenn doch Alu und Niro zusammentreffen, müssen zusätzliche Maßnahmen ergriffen werden. Schrauben sollten auf jeden Fall nur mit Fett (z. B. Winschenfett) eingesetzt werden.

Überall wo Nirobeschläge großflächig auf Alu sitzen, muss mit einer Isolierung gearbeitet werden. Geeignetes und leicht zu verarbeitendes Isoliermittel ist z. B. eine Kunststofffolie.

Tipp No. 5 – Stehendes Gut austauschen

Das Stehende Gut ist die Versicherung für den Mast – schätzungsweise 95 % aller Mastbrüche gehen auf das Konto von überalterten Drähten.

Denn Nirodrähte halten nicht ewig und „verschleißen” wegen Materialermüdung und Korrosion im Inneren. Aus Sicherheitsgründen sollten sie alle 12 bis 15 Jahre erneuert werden. Spätestens wenn wir ein gebrochenes Kardel am Ende der Walzung erkennen.

Tipp No. 6 – Mit Bedacht reinigen

Auch ein anodisierter Alumast ist empfindlich gegenüber Laugen, Säuren, Scheuerpulver. Die in Tipp 4 angesprochenen Isoliermittel wiederum werden durch einen Hochdruckreiniger schon mal leicht „weggefegt”. Also am besten: Gar nichts machen.

Wenn man hässlichen Grünspan, entstanden durch zu langes Lagern unter Bäumen, los werden will, hilft Oxaläure gegen organischen Bewuchs. Wer andere schmierige Stellen beseitigen will, dem hilft vielleicht Affinal. Beides sind sehr sanfte Mittel. Metax AR1 hat schon wieder abrasive also schmirgelnde Eigenschaften, davon raten wir ab. „Verletzungen” heilen sich übrigens selbst, da die Anodisierung nichts anderes ist also verdichtes Aluminium-Oxyd, vulgo „Rost”. Da wo dieser Schutz nicht mehr vorhanden ist, rostet das Alu erneut und schützt damit die nächste Schicht.

Tipp No 7 – Verbindungen nachbessern

Damit kommen wir zu einem weiteren Tipp: An den Verbindungsstellen, also an allen Nieten und Schrauben, muss auf Aluveränderungen geachtet werden. Denn das „Rosten” aus Tipp 6 bedeutet Materialverlust, die Niete und Schrauben sitzen nicht mehr fest und reißen irgendwann ab. Also wie beim Zahnarzt: Aufbohren und größere Schrauben nehmen oder neu vernieten.

Tipp No 8 – Smart lagern

Zum Lagern des Mastes sollte das Stehende Gut (Niro!) vom Mast abgenommen bzw. isoliert werden (Isomaterial aus Baumarkt für Rohre, Teppichreste o. ä.). Denn zwischen Niro und Alu entstehen elektrische Ströme, die das weichere Material, also das Alu-Profil, stark schädigen können. Ebenso Kontakt zu anderen Alu-Masten vermeiden.

Wenn der Mast fürs Winterlager gereinigt werden soll: Nur mit weicher Bürste arbeiten, nicht einfetten, -wachsen o. ä. Das verschmutzt nur den Mast (s. Tipp 6).

Gereinigt werden lediglich alle Kugellager (z. B. mit Pressluft) und die Wantenspanner (in Petroleum), die mit synthetischem Fett sparsam gepflegt werden können. Elektrische Kontakte – falls vorhanden – natürlich ebenfalls.

Ein Kommentar

  • – Bei dem Schiffsausrüster „Gotthardt“ ist auf der Website dazu auch eine Pflegeanleitung veröffentlicht, die sich in vielen Punkten mit eurem Beitrag deckt: http://www.gotthardt-yacht.de/Mastpflege_Optimierung_Trimm.html
    – Eine Reihe von Seglern raten dazu, auch die Spieren selbst (Mast, Großbaum,…) mit Petroleum zu reinigen. Es wird betont, dass es echtes Petroleum sein muss, kein sog. Lampenöl. Habe ich probiert. Wird ganz gut. Es scheint mir nix dagegen zu sprechen. Ausser: direkt nach der Anwendung ist der Mast ziemlich glatt. Vorsicht beim Handling, Maststellen etc.
    – Als Schmiermittel für Gewinde finde ich vollsynthetisches „Haftschmierfett“ aus der Sprühdose ziemlich praktisch. Meist seewasserbeständig (Aufdruck auf der Dose beachten). Das macht sich auch gut für sehr viele Schmierstellen am Trailer, AB, etc. Das gibt es in Auto- oder Motorradzubehörläden. Nicht für Blöcke, Klemmen, etc. mit synthetischen Kugellagern verwenden!!
    – Der Hinweis mit dem Austauschintervall ist sehr gut! Eigene Erfahrungen! Ich hatte vor vielen Jahren mal ein empfohlenes Intervall von 14 Jahren gelesen, und mich über die 14 (nicht 15) gewundert. Jahre später brach ein Oberwantenspanner beim Segeln. Mast runter, Trapezer zum Glück unverletzt. Am Spanner deutlich Ermüdungsbruch erkennbar. Das Teil war 14 Jahre alt !!

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