Aufrecht im Wind – zum Riggtrimm der Sailhorse

Wahrscheinlich hat sich jeder schon mal gefragt, wie er sein Segelpferd am besten „zurechtbiegt” und warum das eine Boot „leegierig” ist und das andere nach luv zieht? Warum die eine Crew noch schön aufrecht segelt und die andere schon kämpft?

Diese Geheimnisse des Sailhorse-Riggtrimms verraten wir nun an dieser Stelle!

Wir beginnen mit der Grundeinstellung des Riggs, dem „Basistrimm”. Weiter unten beschäftigen wir uns dann mit den „Feintrimm”, den Einstellungen des Riggs nach den jeweiligen Windverhältnissen.


Wer dann den Segeltrimm angehen will, der wird bei uns fündig:

  • Zum allgemeinen Trimm: Klick hier
  • Zum Spinnaker-Trimm ebenfall in zwei Teilen: Teil 1 und Teil 2
  • Und zu den Crewpositionen und zur Aufgabenverteilung auf einer Sailhorse: Teil 1 und Teil 2

Basistrimm

Im Basistrimm geht es darum, diese lange Stange, genannt „Mast”, die ohne Drähte (Stage) einfach umfallen würde, so auf dem Boot zu platzieren, dass sie den bestmöglichen Kompromiss darstellt, um später die Segel optimal zum Wind zu stellen.

Den Basistrimm stellst Du am besten bei ruhigem Wetter oder noch besser: an Land auf dem Trailer ein.

Zunächst aber Kurzes und Kompliziertes zur Einleitung (muss man nicht unbedingt lesen ;-): Die Sailhorse ist mit einem slupgetakelten Bermudarigg ausgestattet. Weitere Kennzeichen sind ein 7/8tel Partialrigg mit gepfeilten (gewinkelten) Salingen ohne Backstage, da die Salingpfeilung durch die nach achtern versetzten Püttings mehr als 18° beträgt. So werden die Oberwanten genügend nach achtern geführt, um den Mast gegen Bewegung nach vorne zu sichern, ein Backstag gibt es nicht.

Das musste mal gesagt werde, aber jetzt geht es wirklich los.

Mastposition in der Längsachse

Beginnen wir mit der Platzierung in der Längsachse.

Bolzlöcher MastfußDen Sailhorse-Mast kann man in Längsrichtung verschieben. Dazu gibt es drei Bolzenlöcher im Mastfuss.

Wenn die Sailhorse leegierig ist, was nicht selten (insbesondere bei leichten Winden) der Fall ist, kann der Mast nach hinten geschoben, also im letzten Loch verbolzt werden. Wenn du wiederum eine sehr sportliche Mastneigung (s. u.) bevorzugst, überwiegend mit Genua segelst und damit eine entsprechende Luvorientierung anstrebst, ist wieder die vordere Stellung geeigneter.

Für unseren Basistrimm empfehlen wir, den Mast in dem mittleren Bolzenloch zu fixieren. Damit vermeidest Du auch einen bei der Sailhorse möglichen Gegenbauch im Groß durch Abwinde einer Genua.

Mast SalingeAuch die Saling-Pfeilung kann bei der Sailhorse verstellt werden. Zwei Sicherungsmuttern geben den Winkel vor. Wir empfehlen im Rahmen unseres Basistrimms eine Fixierung in der mittleren Position.

Tipp: Die Salinge sollten fest mit der Want verbunden sein und senkrecht zum Druck der Want stehen, also etwas nach oben zeigen. Dies unterstützt Du bei Bedarf durch den Einsatz von Klebeband.

Seitliche Trimmlage – Trimm in der Querachse

Der Saling-Zug am Mast muss auf beiden Seiten gleich stark sein, damit der Mast ohne Segeldruck und bei bis zu mittelstarkem Wind kein seitliches Spiel aufweist. So kommt die Ober-Leewant nicht lose, was dem Material äußerst abträglich wäre.

Mast PüttingsDazu werden zunächst beide Unterwanten nebst Wantenspannern von den Püttings gelöst.

Keine Angst, die Unter- und die Oberwanten reichen jeweils für sich aus, den Mast gegen ein Kippen nach vorne abzusichern.

Nun kannst Du die Mittenausrichtung der haltenden Oberwanten mit Hilfe des Großfalls kontrollieren. Du legst es einfach an identischen Punkten in Back- und Steuerbord an. Mit Hilfe der Oberwantenspanner kannst Du korrigieren. Du kannst aber auch eine Gebäudekante zur Ausrichtung nutzen.


Achtung: Wenn der Mast seitlich neigt, hat dies denselben Effekt wie eine Krängung des Bootes: Krängung nach Lee erhöht die Luvgierigkeit und umgekehrt. Die seitliche Neigung ist oft die Erklärung dafür, warum sich ein Boot auf verschiedenen Kursen unterschiedlich verhält.


mast_seitentrimm

 

Nachdem die Mittenausrichtung gefunden ist, führst du die losen Unterwanten entlang der Kielspindel Richtung Kieldeckel und bringst die beiden Unterwanten mithilfe der Wantenspanner auf die identische Länge am Augendruckpunkt.

Tipp: Achte darauf, dass beide Wantenspanner die selbe Hubeinstellung haben, damit Du sie später beide gleichweit verstellen kannst.

Anschließend werden die Unterwanten wieder an den Püttings befestigt und gleichmäßig (!) „handwarm” angezogen. Also Umdrehungen zählen und die Terminals der Wanten dabei fixieren, damit sie sich nicht einfach mitdrehen!

Im zweiten Schritt wiederholst Du den Vorgang mit den Oberwanten.

Nun prüfst Du, ob der Mast kein seitliches Spiel hat, z. B. indem Du wieder mit dem Großfall (falls Du noch an Land bist) ein wenig seitlichen Zug ausübst. Falls hier etwas klappert und sich bewegt: Oberwanten gleichmäßig (sonst ist alles für die Katz‘!) anziehen.

Noch eine Besonderheit der Sailhorse:

„Laufendes” Vorstag

„Laufendes” Vorstag

  1. Viele von uns haben ein sogenanntes „laufendes Vorstag”, was sehr empfehlenswert ist. Zum Beispiel: Wenn wir im Hafen (bzw. ohne gesetztes Vorsegel) durch Wind und Welle seitliches Spiel haben, müssen wir nur das laufende Vorstag dichter holen, um mehr Spannung in die Oberwanten zu bekommen, womit das seitliche Spiel ebenfalls verschwindet.
  2. Wenn wir kein laufendes Vorstag haben, muss die Grundeinstellung zum Riggtrimm „passen” (dazu später mehr), d. h. es muss etwas mehr ausprobiert werden.

Tipp: Hilfreich ist, wenn das Vorstag nicht zu lang ist, denn kürzen ist nicht so einfach (zumindest nicht bei einem Drahtvorstag), verlängern durch Wantenverlängerer dagegen schon.


Seitliche Biegung

Der Mast kann sich aber nicht nur zur Seite neigen, er kann sich auch biegen, da er ja seitlich an drei Punkten (Mastfuß, Unter- und Obewanten) fixiert ist. Eine seitliche Biegung zu beeinflussen ist eine weitere Aufgabe der Unterwanten. Für unseren Basistrimm wollen wir einen in seitlicher Richtung geraden Mast ohne Kurve (ein Blick entlang der Mastnut ist da höchst aufschlussreich). Dazu reicht ein gleichmäßig handwarmes Anziehen im Hafen. Die Unterwanten sollten im Basistrimm etwas loser sein als die Oberwanten.

Mastfall, Mastneigung in der Längsachse

Kommen wir zur eigentlichen Herausforderung durch unser Segelpferd. Haben wir unseren Mast nun endlich seitlich gerade ausgerichtet und eine seitliche Biegung verhindert, machen wir nun das genaue Gegenteil: Wir neigen und biegen ihn uns zurecht.

Allerdings in Längsrichtung und eigentlich immer nach achtern, daher sprechen wir von der achterlichen Neigung, dem Mastfall, und der achterlichen Biegung. Diese erreichen wir durch unseren Basistrimm des Vorstags in Kombination mit den Wanten:

Mastfall

Wir beginnen unseren Basistrimm ohne gesetztes Vorsegel. Hier gilt: Je länger ich das Vorstag lasse, desto mehr neigt der Mast nach achtern. Klar, er wird ja nur durch das Vorstag am Umfallen nach achtern gehindert (daher bei einem laufenden Vorstag immer schön das belegte Vorstag-Tau zusätzlich sichern!).

Zwar ziehe ich den Mast durch das Durchsetzen des Vorsegels per Fockfall wieder nach vorne, doch dies wird durch die bereits handwarm angezogenen Oberwanten begrenzt. Nun übernimmt das Vorliek des Vorsegels die Rolle des eigentlichen Vorstags, das nun lose kommt. Also: nicht erschrecken, sondern bei einem laufenden Vorstag etwas dichter holen.

So bekomme ich Spannung nicht nur ins Vorliek, sondern auch in die Oberwanten, während der Mast je nach Ausgangsposition mehr oder weniger nach hinten geneigt bleibt. Das heißt: Durch die Grundeinstellung bestimme ich die achterliche Neigung des Mastes (= Mastfall).


Tipp: Auch für die Wanten gilt, dass sie im Zweifel kürzer eingepasst werden sollten. Denn ein Verkürzen des Drahtes ist schwierig, eine Verlängerung durch Toggles (gabelförmiges Verbindungsstück) oder längere Wantenspanner leichter.


Wie stark sollte nun der Mastfall im Basistrimm sein? Dazu empfehlen wir, den Sailhorse-Mast weiter nach hinten zu neigen (= größerer Mastfall), als auf anderen Booten. Normalerweise wird ein Winkel von 3° schon als sportlich bezeichnet, für die Sailhorse aber ist es das Mindestmaß. Die Neigung wird wie folgt ermittelt und eingestellt:

  1. Das Großfall wird mit einem Gewicht beschwert und ca. 10 cm über der Plicht als Lot frei hängen gelassen.
  2. Der gewünschte Abstand zwischen Mast und Fall in Höhe Oberkante Großbaum wird berechnet. Und zwar wie folgt: Vorlieklänge x 1,75 x gewünschter Mastfall in Grad = Abstand in cm. Bei gewünschtem Mastfall von 3° also: 7,20 m (Vorlieklänge Sailhorse) x 1,75 x 3 (= gewünschter Mastfall) = 37,8 cm. Bei 5° somit 63 cm.
  3. Der ermittelte Abstand von Fall zum Mast in der Höhe Oberkante Großbaum wird  durch Fieren oder Dichtholen des Vorstags eingestellt.

Passende Toggles (gabelförmiges Verbindungsstück) zur Vorstagverlängerung sind eine Lösung, wenn das Vorstag keine Spannvorrrichtung und/oder kein laufendes Vorstag hat.

Hinweis: Für Kurse Hoch am Wind ist ein großer Mastfall gut, bei leichtem Wind ein kleiner.

Mastbiegung

Setzen wir das Vorsegel noch weiter durch, kommen als nächstes die Unterwanten dicht und begrenzen das Neigen des Mastes nach vorne. Wann das der Fall ist, hängt vom Unterschied der Ober- und Unterwantenspannung im Basistrimm ab: Je lockerer die Unterwanten- im Verhältnis zur Oberwantenspannung ist, desto mehr Mastbiegung erreiche ich.

Die Empfehlung für den Basistrimm ist hier etwas komplizierter: Auf jeden Fall sollten die Unterwanten bei durchgesetztem Vorsegel unter Spannung sein. Im Hafen können sie spürbar weniger Spannung haben als die Oberwanten.


Fazit: Da wir den Mast der Sailhorse nicht während des Segelns umtrimmen (was in der einen oder anderen Bootsklasse möglich ist), kommt es eben auf den Basistrimm an. Jedenfalls sollte die Sailhorse im Rigg-Basistrimm leicht luvgierig bis neutral getrimmt sein.


Riggtrimm nach Windbedingungen

Nachdem nun der Basistrimm gefunden ist, können wir den Mast je nach Windbedingung „feintrimmen” – wenn wir wollen. Die meisten Einstellungen sollten aber – im Gegensatz zum Segeltrimm – vor der Abfahrt vorgenommen werden, schon weil es auf dem Wasser meist gar nicht möglich ist, diese zu verändern. Z. B. kann man die Salinge ja nur verstellen, wenn der Mast liegt.

Einige Regeln haben wir hier zusammengefasst, die aber bitte so zu verstehen sind, dass sie auf die konkrete Situation und Erfahrung angepasst werden sollten: Während die eine Crew aufgrund ihres Eigengewichts noch aufrecht segelt, sollte die andere bereits den Riggtrimm auf Vielwind eingerichtet haben.

Leichtwind (1)

Windstärke: Bft 1 und 2

Ziel: Aufrecht segeln, bauchiges Groß mit geschlossenem Achterliek

Unterwanten: Weiter anspannen, so dass der Mast aufrecht aber ohne achterliche Biegung steht

Vorliek Vorsegel (Vorstag): Max. dicht

Oberwanten: Basistrimm

Salinge: Vordere Stellung

Mastfuß: Mast tendenziell in achterliche Stellung

Mittlerer Wind (2)

Windstärke: Bft 3 (ohne Böen), ggf. „leichte” 4

Tipp: Merkt man daran, dass der Steuermann das Groß (ohne Trapezeinsatz) soweit öffnen muss, dass es im Achterliek killt.

Ziel: Weiterhin aufrecht segeln (abhängig von Crewgewicht und Trapezeinsatz)

Unterwanten: Lösen, so dass der Mast sich achterlich biegt

Vorliek Vorsegel (Vorstag): Max. dicht

Oberwanten: Grundeinstellung

Salinge: Mittlere Stellung

Mastfuß: Mast tendenziell in mittlerer Stellung

Starkwind (3)

Windstärke: Bft 4 und 5 (ohne Böen), erfahrene Crews bis 7,5

Ziel: Bauch im Groß verhindern / flache Stellung so dass sich das Achterliek in Böen öffnen kann.

Unterwanten: Weiter lösen bis auf max. Länge, so dass der Mast die volle achterliche Biegung erreicht.

Vorliek Vorsegel (Vorstag): Etwas lösen (dadurch öffnet sich das Achterliek des Vorsegels besser, das Boot läuft schneller, wenn auch mit weniger Höhe). Hier gibt es allerdings auch unterschiedliche Ansichten: Manche sagen, je mehr Wind, desto strammer durchsetzen.

Oberwanten: Nachspannen

Salinge: Tendenziell achterliche Stellung

Mastfuß: Mast tendenziell in vordere Stellung

Hierzu noch folgende Anmerkung:

Eine gewissen Biegung im Top des Mastes zur Seite bei Starkwind kann helfen, das Segel flach zu trimmen und das Achterliek zu öffnen. Die Mitte des Mastes biegt dann leicht nach Luv. Das öffnet den Spalt zwischen Vor- und Großsegel und trimmt das Großsegelprofil in der Mitte flacher.

Dazu ist ein Blick („Peilung”) entlang der Mastnut nach oben hilfreich, hier sind selbst kleine seitliche Abweichungen gut zu erkennen.

Mast Feintrimm

 

 

Ein Kommentar

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.