Abreißseil – durchaus wörtlich zu nehmen

Ein Abreißseil ist Pflicht bei den gebremsten Sailhorse-Trailern. Soviel ist klar. Seine Aufgabe ist auch klar: Löst sich der Hänger von der Hängerkupplung des Zugfahrzeuges, muss es die Trailerbremse aktivieren, damit sich unsere SaF-Boote nicht selbständig machen – was durchaus ernste Konsequenzen haben kann.

Muss das Abreißseil reißen?

Aber: Dann hängt doch der Trailer an dem durchaus stabilen Drahtseil, aus dem das Abreißseil besteht? Das kann doch auch nicht gut sein, wenn man um die 800 kg ungelenkt hinter sich herzieht? Das dürfte eine Slalomfahrt ergeben, die höchstens auf der Streif für Bewunderung sorgt.

Tja, deshalb ist so ein Abreißseil auch eine trickreiche Sache: Es muss so fest sein, dass es die Handbremse sicher aktiviert, und es muss reißen, wenn sie aktiviert ist.

Trailer AbreissseilDas Geheimnis: Die Soll-Abreißstellen sind die Halteösen an dem Seil. Sie müssen richtig dimensioniert und richtig eingesetzt sein.

Die Ringöse – hier als Spreiz- oder Schlüsselring – auf der rechten Seite des Fotos gehört an das unterste Auge der Trailer-Handbremse.

Der Karabinerhaken (am anderen Ende des abgebildeten Abreißseils) gehört an … Tja, wo gehört der denn hin?

Wo das Abreißseil befestigen?

Zur Auswahl stehen:

  1.  Ein Auge, das am Kupplungsstutzen des PKW (meist unterhalb des Kugelkopfes), zu finden und dafür vorgesehen ist. Die beste Lösung.
  2. An der Abschleppöse des PKW. Schlechte Lösung. Denn in einer engen Kurve könnte das Abreißseil zu kurz sein und seine Aufgabe zum falschen Zeitpunkt erfüllen.
  3. Als Schlinge um den Kugelkopf legen (wie auf dem Foto angedeutet). Machbar. Machen die meisten so. Empfehlen auch Anhängerspezialisten, zumal fest eingebaute Hängerkupplungen i. d. R. keine extra Öse haben. Und damit die zweitbeste Lösung.

Warum ist die Schlinge nur die zweitbeste Lösung? Jetzt kommen schon wieder drei Punkte:

  1. interpretiert die Rennleitung und auch so mancher rheinländische Verein den Satz „die Abreißschlaufe muß untrennbar mit dem Zugfahrzeug verbunden sein…” so, dass diese Forderung durch eine recht starre Schlinge nicht erfüllt wird („könnte abspringen”). Das ergab schon so manches Mal Diskussionsbedarf („wenn ich aber keine andere Möglichkeit trotz ABE habe …”) mit ungewissem Ausgang und der Aussicht auf Punktgewinn. Die Diskussion ist allerdings bei fest eingebauten Kugelköpfen gewinnbar.
  2. Bei einer abnehmbaren Kupplung wir die Sache schon ungewisser. In diesem Fall sollte am festen Teil, dem Stutzen, die unter 1. beschriebene Öse sein. Andernfalls hast Du die falsche Kupplung und damit ein Problem. Denn:
  3. Es gibt kluge Leute, die meinen, eine abnehmbarer Kugelkopf muss doch genauso viel Last tragen können wie ein fest eingebauter. Warum sollte er also nicht als Aufnahme für die Abreißschlinge taugen? Tja, Last und Festigkeit sind schon gleich – wenn die Kupplung richtig montiert bzw. eingesetzt ist. Und das traut die Rennleitung unsereins schon mal gar nicht zu … Kann man aber auch diskutieren, denn gefordert ist die feste Verbindung und sonst nichts.

Und im Ausland?

Nun, da unsere Boote aus Holland kommen, fahren wir dort auch öfter hin. Und zur allgemeinen Überraschung: die Holländer sind mit ihren Vorschriften genauer als wir!

  • Bis 750 kg Hängergewicht ist eine Sicherung nicht vorgeschrieben
  • 750 bis 1.500 kg Hängergewicht müssen über eine nicht abreißbare Sicherungsleine (hulpkoppeling) verbunden bleiben!
  • 1.500 bis 3.500 kg Hängergewicht müssen über eine Abreißleine (losbreekreminrichting) verfügen.
  • Beide Sicherungssysteme dürfen niemals zusammen eingesetzt werden und müssen über eine dafür vorgesehene Öse verfügen.

Verdorrichnochmal! In Holland, und in den meisten anderen EU-Ländern ist es ähnlich geregelt, verstoßen wir also in jedem Fall gegen die Vorschriften, es sei denn, wir specken SaF-Boot und Trailer auf unter 750 kg ab. Ob das wohl geht?

Aber auch in Holland können wir fleißig diskutieren: Sollen nicht die Zulassungen in dem einen Land auch in einem anderen Land gelten? Man sollte meinen, das sei kein Diskussionspunkt?

Aber Achtung: Zur Situation in den Niederlanden gibt es hier eine Aktualisierung. 


Noch mal zum Abreißen

Kommen wir aber wieder auf die Ausgangsfrage zurück, denn eigentlich geht es hier darum, was die Aufgabe des Abreißseils ist. Das ist zwar geklärt, doch der letzte, sehr wichtige Tipp, fehlt noch: Wenn das Abreißseil einmal seine Schuldigkeit getan hat, ersetzt es gegen ein neues. Denn nur so seid Ihr sicher, dass es beide Aufgaben, Handbremse ziehen und abreißen, erfüllt. Und es kostet weniger als 10,- EUR.

2 Kommentare

  • In einer kurzen Notiz in Yacht 12/2017 und beim ADAC in 2015

    https://www.adac.de/sp/rechtsservice/_mmm/pdf/2015-35-NIEDERLANDE-SCHWEIZ-Erforderlichkeit-eines-Sicherungsseils-bei-Anhängern_245234.pdf

    wird darauf hingewiesen, daß bei Hängern > 750 kg die bei uns übliche Schlinge über den Kupplungskopf in den Niederlanden und der Schweiz nicht ausreicht, sondern zu hohen Geldbußen führen kann.

  • Ich habe das Abreißseil zweimal „eingesetzt”: Das erste Mal tatsächlich während einer Fahrt so bei 40 bis 50 kmh in der Stadt (kam gerade vom TÜV): Seil löste die Bremse aus, riss ab, Trailer blieb 20 m hinter mir in der Spur (!) auf der Straße stehen! Stützrad hinüber, Boot war gut gesichert, aber so soll es wohl sein.
    Ich also Karabinerhaken an Seil montiert – Fehler.
    Das zweite Mal: Beim Rangieren auf dem Club-Gelände Trailer abgehängt aber komplett vergessen, das Seil ebenfalls abzumachen. Seil betätigte Bremse, riss aber nicht ab. Ich habe Trailer nebst Boot bei angezogener Bremse gezogen. Es waren nur wenige Meter, aber ich dachte mir, das ist bestimmt nicht richtig. Jetzt habe ich eine neues Abreißseil mit schwach dimensioniertem Schlüsselanhänger (sieht zumindest so aus).

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