Der Sailhorse-Rumpf – bauartbedingte Schwächen?

Rollo aus Haltern hat Erfahrungen mit dem Umbau seiner Sailhorse. Er hatte den Rumpf der mehrfachen EuroCup-Gewinnerin „Flash” von Anno van der Heide übernommen. Mit der Baunummer 2510 ist er damit ein Rumpf von Polybouw Keijser auf Texel, wo auch die neuesten Boote hergestellt werden. (Zur Typgeschichte der Sailhorse siehe hier.)

Und er hatte das Boot wieder neu und sehr schön aufgebaut, wie man an den Bildern wunderbar sehen kann.

Bilderserie 1: Rollo Im Uhrzeigersinn: Bilder 1 - 3 Fallen und Strecker nach erstem Umbau, 4 Halterung und Falte kurz vor Fertigstellung

Bilderserie 1: Rollo
Im Uhrzeigersinn: Bilder 1 – 3 Fallen und Strecker nach erstem Umbau, 4 Halterung und Falte kurz vor Fertigstellung

Rollo führt aktuell erneut umfangreiche Arbeiten an seiner Sailhorse durch. Da fragten wir doch gleich nach:

Rollo, warum nimmst Du Dein Boot schon wieder auseinander?

Rollo: Seit diesem Winter habe ich Osmose in meinem Rumpf mit der Baunummer 2510, also schon aus der vorletzten Baureihe, vorgefunden. Obwohl ich das Unterwasserschiff vor zwei Jahren mit 8 Schichten VC Tar2 geschützt hatte.

Wie kann das bei der Prophylaxe sein?

Rollo: Diese Drecksosmose kommt von innen!!!!

(Und, wie wir bei einer Blitzumfrage feststellen mussten: Damit steht er nicht alleine. Viele Sailhorser „haben Osmose” und meistens kommt sie von innen.)

Kann das an einem grundsätzlichen Mangel liegen? Obwohl doch 40 Jahre Erfahrung in den Rumpfbau eingeflossen sein müssten?

Rollo: Um das herauszubekommen habe ich mich durchgerungen, den Boden meines Schiffes aufzuschneiden. Was da herauskam spottet jeder Beschreibung.

Es gibt in diesem Schiff Bereiche, die zwar Wasser ziehen können, aber man bekommt es nicht wieder aus dem Schiff (keine Revisionsdeckel). Die Verarbeitung im Zwischendeck ist eines 16.000,-€ Schiffes unwürdig. Da sollte man dem Rumpfbauer mal ordentlich auf die Finger klopfen.

Bilderserie 2: Rollo Bild 1 nach Reparatur vor 2 Jahren, 2 bis 4 während der aktuellen Sanierung

Bilderserie 2: Rollo
Bild 1 (li-o) nach Reparatur vor 2 Jahren, 2 bis 4 während der aktuellen Sanierung

Eine ausgestattete Sailhorse kostet mittlerweile 24.000,- EUR, zuzüglich Transport!

Rollo: Wenn man schon ein Hohlkammerschiff baut, dann sollte es auch dicht sein. Beispiel: Das Vorschiff ist durch ein Schott abgeschottet, d. h. wenn da Wasser eindringt, bleibt es auch drin.

Sollte man mal kentern (kann ja immer mal passieren, ist eben ne Jolle) kann eingedrungenes Wasser durch den schlecht verklebten Boden ins Vorschiff gelangen. Und dann ……. siehe oben.

Und die Revisionsdeckel reichen nicht zum Trocknen?

Rollo: Du kannst sehen, dass es vier Revi Öffnungen gibt. (Bilderserie 2 li-o, normal sind es sogar nur zweiABER: Die vorderen sind ja noch ok. Die hinteren aber sind an einer Stelle wo erst dann Wasser ist, wenn das Schiff fast voll ist. Also Blödsinn.

Bei meinem Polybouw-Rumpf fließt das Wasser durch Öffnungen zwischen den Schotts, zumindest im achterlichen Bereich. Die Öffnungen liegen allerdings gut 1 cm über dem tiefsten Punkt, so dass immer Wasser verbleibt. Auch setzen sich die kleinen Öffnungen leicht zu.

Rollo: So wie ich das verstehe, ist Dein Schiff genau so aufgebaut wie meins. (Siehe Bild 3)

Du kannst sicherlich die einzelnen Schotten erkennen. Bei mir gibt es KEINERLEI Durchlass von einem Raum zum anderen. Aus den hinteren Räumen ist das Wasser nur raus zu bekommen, wenn man das Schiff fast senkrecht stellt. Also Bug in die Luft!

Die Mittelräume sind gar nicht zu leeren!!!!!!! Einzig der sichtbare vordere Bereich ist vernünftig durch Reviluken zu leeren.

Bild 3: Rollo Luken und Schotts an offener Sailhorse

Bild 3: Rollo
Luken und Schotts an offener Sailhorse

In Holland werden die Boote wohl nach jedem Gebrauch wieder an Land gezogen und trocknen dort. Zwei zuletzt in den Niederlanden gekaufte Boote haben keine Außenschutzschicht aus Epoxy bzw. VC Tar2.

Rollo: Ich sehe die Problematik darin, dass eingedrungenes Wasser nicht komplett entfernt werden kann, wenn das Schiff nicht auf dem Trailer steht.

Nun meine Frage: Wer holt sein Schiff nach jedem Segeln aus dem Wasser? Ich, und alle anderen hier in Haltern, auf gar keinen Fall. Wir haben Wasserliegeplätze.

Außerdem wollen wir nicht jedes Mal diesen Aufwand betreiben. Warum auch. Bei einem vernünftigen gut gebauten Schiff muss man das auch nicht. Ich kenne keine andere Klasse, mit Booten einer halben Tonne Gewicht, die nach jedem Segeln trocken stehen müssen.

Da hast Du vollkommen Recht, wir sind wohl alle Wasserlieger. Aber was tun?

Leider ist meine super tolle Meinung zu dem Schiff eine andere geworden. Trotzdem werde ich es wieder richten und bei meinem Schiff demnächst sechs Revisions-Luken haben. Damit sind alle „Räume“ zu leeren. Das sind dann:

1.) die beiden alten für den mittleren Bereich

2.) zwei neue für das Vorschiff

3.) zwei neue für den hinteren Bereich (ungefähr auf Höhe vom Ende Kiel)

Außerdem habe ich eine Verbindung in der achterlichen Sektion vom äußeren zum inneren Bereich hergestellt: Ein Loch in der Zwischenwand genau auf dem Boden, so dass das Wasser immer zum tiefsten Punkt laufen kann.  

Um den Boden zu versiegeln, hab ich den gesamten Innenraum mit Epoxydharz gestrichen. Ich hoffe, Osmose ist jetzt kein Thema mehr.

Du solltest auf jeden Fall eine Osmosevorbeugung durchführen. Dazu würde ich min. 3 Schichten Epoxyharz und dann 5 Schichten VC Tar2 oder ähnliches auftragen. Danach sollte Ruhe sein. Zumindest von außen.

Merci vielmals! Sehr hilf- und aufschlussreich!

Bei der Gelegenheit: Was ist das denn für eine interessante Klemmenhalterung auf den Bildern?

Rollo: Meine neue Klemmenhalterung besteht aus Holz (Multiplex 22 mm) und Alu als Grundplatte. Die Aluplatte deshalb, damit ich sie abnehmen kann. Ist von unten verschraubt.

Wie Du auf dem Bild unten rechts (Bilderserie 1) erkennen kannst, hab ich auch den Bogen neu laminiert. Das war erforderlich, weil, aus welchem Grund auch immer, eine Falte drin war. Diese Falte hab ich weggeschliffen und von innen Sperrholz einlaminiert. Ich hoffe jetzt gibt es keine Falte mehr. (Diese Falte haben ganz viel Schiffe)

Seglerische Grüße aus Haltern am See – Rollo

Bild 4: Rollo Neuaufbau des Cockpit-Bodens

Bild 4: Rollo
Neuaufbau des Cockpit-Bodens

Nachtrag Mai 2016: Flash ist fertig!

Es ist geschafft! Rollo hat uns ein Bild der fertigen Flash geschickt:

„Hallo Norbert,
nach gaaaanz viel Arbeit bin ich nun endlich fertig.
Ich finde es sieht ganz gut aus.
Im Anhang ein Bild vom fertigen Schiff. (Kannste ja als Abschluss zum Artikel nehmen)”

Ich finde: Da kann man sich nur anschließen. Ich ziehe den Hut vor Rollos handwerklichen Fertigkeiten!

Foto: Rollo

Foto: Rollo

5 Kommentare

  • Pingback: Die Beulenpest oder: was Ihr immer schon über Osmose wissen wolltet - sailhorse-and-friends.eu

  • ein super-Artikel! (wie überhaupt die ganze homepage super ist – ich schaue gerne rein!!).
    Meine Frage: gibt es eine Werft in Berlin (Wannsee), die schon mal solche Arbeiten an einer Sailhorse erfolgreich gemacht hat..?

  • Hallo Rollo,

    Ich denke die Fallte im Bogen hat zu tun mit einem schwachen vorderdeck. Deswegen kommt zuviel spannung auf den Bogen. Vielleicht zu duenn laminiert oder man hat mall versucht das totalgewicht zu senken. und was weggeschliffen,…….. 😉 Ich empfehle die anhechtung vom Oberdeck an den Rumpf gut zu kontrollieren ob das gut vergesiegelt ist. Da kommt dass meiste Wasser in den Rumpf. Auch jedes Loch was mann in das Boot bohrt mit Sigaflex oder so einschmieren bevor mann was hereinschraubt. Danke fur den Tipp dass Wasser im vorderen Bereich stehen bleibt wass mann ohne Reviluken nicht erreichen kann. Ich hatte schon diese vermutung.

    Freundlichen Grusse aus Holland

    Bob

  • Mmh, ich kenne zum Beispiel die Dyas, die deutlich über 500 kg auf die Waage bringt und in der Klasse ist es nicht unüblich, dass die Boote nach der Regatta raus auf den Trailer kommen und an Land bis zum nächsten Segeleinsatz stehen.
    Gruß aus Berlin

    • Hallo Joachim,
      es kann durchaus sein, daß es Leute gibt, die ihr Schiff nach jedem segeln aus dem Wasser nehmen. NORMAL ist das nicht. Ich, für meinen Teil, will segeln und nicht slippen oder kranen.
      Nur mal so als Beispiel.
      Wenn ich Wandersegeln will, muß dann immer Jemand mit meinem Trailer hinterher fahren, damit ich das eingedrungene Wasser wieder aus meinem Schiff bekomme?

      Mir geht es gar nicht so sehr darum, daß Wasser eindringen kann, sondern darum, daß ich das Wasser einfach schnell und gründlich wieder raus bekomme. Und genau da gibt es Handlungsbedarf bei dem Schiff.

      Seglerische Grüße aus Haltern am See nach Berlin
      Rollo

      GER 2510 Padawan

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