Die große Blase – zum 150. Geburtstag des Spinnaker

Wenn einem schon ein Denkmal gesetzt wird, dann ist man erstens meist alt und zweitens hat man etwas geleistet. Dem Spinnaker ist dies widerfahren: Der 2005 eröffnete 170 m hohe Spinnaker-Tower in Portsmouth verdankt seinen Namen einer an den Spinnaker angelehnten Form.

Obwohl der Spinnaker-Tower zum 200. Jahrestag der Schlacht von Trafalgar eröffnet wurde, feiert der Spinnaker selbst erst seinen 150. Geburtstag.

Spinnaker Tower in Portsmouth UK 2005 - Backview; Quelle: Pbeater aus der deutschsprachigen Wikipedia

Spinnaker Tower in Portsmouth UK 2005 – Backview; Quelle: Pbeater aus der deutschsprachigen Wikipedia

Denn das große Tuch wurde – zumindest mit Baum – erstmals am 15. August 1866 von Herbert Maudslay, dem Eigner der 48-Tonnen-Yacht „Sphinx” bei einer Regatta des Victoria Yacht Clubs gesetzt – so sagen die Engländer, die sich als Erfinder des damals revolutionären Vorwind-Segels betrachten.

Jedenfalls gewann die „Sphinx” den zweiten Platz und wurde damit gleichzeitig Namensgeberin der großen Blase. Und dies kam so: Als die Mannschaft darüber nachdachte, wie man das neumodische Stück Segeltuch denn nun nennen solle, kamen sie erst auf „Spinxer”, abgeleitet aus Sphinx oder Spinx. Als dann ein Crewmitglied ausrief: „Now there is the sail to make her spin” prägte der Steuermann daraus den „Spin-Maker”. In den nächsten Jahren schliff sich der Begriff über „Spinniker” zum „Spinnaker” ab und wurde so 1869 im Hunt’s Yachting Magazin erstmals geschrieben. „Spinnaker” wurde zum Sammelbegriff aller nachfolgenden Ballon-Segel mit den verschiedensten Schnitten.

Ballon-Fahren als Kunstform

Das Spi-Segeln gilt vielen als große Kunst des Segelns. Dieses „seltsame meist farbige Segel übt auf Leute an Bord wie an Land eine faszinierende wie beunruhigende Wirkung aus” (Wilfried Erdmann)

In der Tat bringt es die eine oder andere Schwierigkeit mit sich.

Das Setzen nebst Baum ist nicht ohne, die Schoten müssen exakt bedient werden, der „Sonnenschuss” ist gefürchtet, Raumschot-Kurse können kritisch werden.

Es gibt einige Erfindungen, die die Manöver vereinfachen sollen, vom „Schießbaum” über die Trompete bis zum Bergeschlauch. Doch er erfordert Übung und eine eingespielte Crew. Daher verwundert es nicht, dass Freizeit-Kapitäne immer seltener auf den Spi setzen. Selbst in den olympischen Klassen ist er nur noch bei den 470ern im Einsatz.

Ein Youngster macht ihm das Leben schwer

Der asymmetrische Gennaker wird am Bugspriet gesetzt und benötigt keinen Spibaum mehr – ist also leichter zu handhaben. Die Halse verlangt nicht nach dem Versetzen eines Baumes. Einhandsegler, Fahrtensegler, Boote mit kleinen Crews werden zunehmend damit ausgerüstet.

Bei den hohen Geschwindigkeiten moderner Bootskonstruktionen insbesondere bei Skiffs und Katamaranen kann er dicht geschotet und trotzdem durch den spitz einfallenden scheinbaren Wind sehr tief gesteuert werden.

Damit wird mehr Vortrieb bei Amwindkursen erreicht, 70° am Wind sind damit möglich, während der Spi bei diesem Kurs selbst von einer Genua an Leistung übertroffen wird.

Fahrtenyachten verfügen immer häufiger über tiefer geschnittenen Gennaker, die sich mit ihrem Luv-Liek so weit auf die Luvseite drehen, dass auch sie eine große projizierte Fläche wie beim Spinnaker erzeugen können.

150 Jahre alt und am Ende?

Foto: Olaf Heiden

Charlotte und Capriole erreichen Freest – Foto: Olaf Heiden

Einige haben damit den Abgesang auf den Spinnaker bereits eingeläutet. Wir meinen, dafür ist es noch etwas zu früh.

Denn segeltechnisch bleibt der Spinnaker vor dem Wind und bei tiefen Raumkursen das Maß der Dinge. Wo der Gennaker im Windschatten des Großsegels zusammenfällt, macht der Spi noch ordentlich Zug. Bei Vorwindkursen erzeugt der Spi die höheren Geschwindigkeiten.

Nicht nur schwere Fahrtensegler haben bei Leichtwind ebenfalls viele Vorteile durch den Spi, wenn er das Boot durch die Wellen zieht und dabei eine deutlich ruhigere Fahrt erzeugt, als andere Segel oder der Motor.

Daher ist der Spi bei SaF-Booten immer noch aktuell wie eh und je und er wird uns noch lange begleiten – obwohl: Eine Sailhorse mit Gennaker wäre schon interessant …

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