„Es muss Spaß machen” – SaF-Interview mit Dirk Jahnke und Wolfram Voigt

Dirk Jahnke ist wohl der deutsche Sailhorse-Segler, der auf Tuchfühlung mit den holländischen „Cracks” segelt. Dirk ist Sailhorse-Händler, Segellehrer und Inhaber von Baltic Windsport in Rostock. Gründe genug, ihn und seinen Vorschoter Wolfram Voigt zu interviewen und unseren LeserInnen bekannt zu machen. Dabei ist ein lesenswertes Portrait mit interessanten Einsichten und praktischen Tipps entstanden.

Wo kommt der Name Eures Bootes her und was bedeutet er?

„Meine Sailhorse-Boote hatte ich immer schon nach den Winden im Mittelmeer benannt: Mistral, Levante, Chergui usw. Irgendwann gingen mir die Namen aus. Da mich schon immer die Kreativität in der Namensgebung von „X-Yachten” (dänische Bootsklasse im Hochpreissektor – Anmerkung der Redaktion) beeindruckt hat (es kommt oft irgendwie ein X im Namen vor), habe ich mir überlegt, meine nächsten Sailhorses mit einem Anhang „horse“ zu versehen. Da das Logo von Baltic Sport eine Sonne ist lag es nahe: SUNHORSE! Die nächsten Namen habe ich auch schon im Kopf- aber noch streng geheim … ;-)”

Seit wann segelt Ihr? Und seit wann zusammen?

Dirk in einer Regattapause – Foto: Olaf Bolduan

Dirk in einer Regattapause – Foto: Olaf Bolduan

„Ich segle seit 1972 und seit 1980 nehme ich an Regatten teil. Wolfram hat bei mir 2010 eine Ausbildung zum Segellehrer gemacht und segelt seitdem recht intensiv – rund 200 Tage im Jahr.

2012 sind wir erstmalig zusammen beim Blauen Band der Warnow gestartet und danach einige andere Regatten gesegelt. Für 2016 haben wir uns gemeinsam die Sailhorse 2613 gebaut und uns einen Regatta- und Trainingsplan gemacht. Mit Wolfram, dem neuen Boot und den Erfolgen macht es großen Spaß zu segeln. Wir schauen wo die Reise hingeht.”

Wieso ausgerechnet Sailhorse?

„Ursprünglich hatte ich ein Schulungsboot für meine Segelschüler gesucht, auf dem sie möglichst schnell segeln lernen. D. h. ein kippstabiles Boot mit Platz für 2 – 3 Schüler ohne viel Firlefanz. Da traf die Wahl auf die Sailhorse. Dass man mit diesen Booten auch gut Regattasegeln kann, habe ich erst gemerkt, als ich die GER 2401 (den Europacupsieger von 1983) kaufte. Dieses Boot segelte so unglaublich schnell und einfach und war viel zu schade für die Segelschule, so dass ich damit einfach mal zum Spaß an einer Regatta teilnahm.

Diese Regatta am Ratzeburg See war die Initialzündung. Das war 2008. Ich merkte, dass ich zur Sailhorsefamilie passte und die Sailhorsefamilie zu mir. Wir wurden damals sehr herzlich aufgenommen und es ist immer wieder schön, sich mit der Sailhorsefamilie auf dem Wasser zu messen und abends beim Bier zu treffen.”

Wie oft trainiert Ihr?

„Wir trainieren auf der Sailhorse in der Saison einmal pro Woche, segeln allerdings noch einmal pro Woche mit einer Segelyacht Regatta. also im Durchschnitt kommen wir auf 2 Trainingstage pro Woche. Mehr ist leider nicht drin.”

Könnt Ihr Euch noch an Eure erste Wettfahrt erinnern?

„Beim Blauen Band der Warnow 2012 kann ich mich noch an den Spruch der Hiddensee Vierteltonner erinnern: ‚Ihr seid mit einem Affenspeed hinter uns her gekreuzt.’ Gemeint war damit, dass wir mit der GER 2601 immer schnell auf Raumkursen waren, aber Probleme beim kreuzen hatten. Während die Vierteltonner auf der Kreuz ein bis zwei Wenden fuhren, sind wir mit einem Affenzahn, 10 Wenden und 15 Grad tiefer immer wieder am Heck desselben Viertonners rausgekommen. Die sind ganz entspannt gegen den Wind gesegelt und haben sich totgelacht, wie wir gekämpft haben.”

Euer größter Erfolg und Eure größte Niederlage?

Dirk und Wolfram mit vollem Einsatz – Foto: (c) Eize Hoekstra (www.eize.nl)

Dirk und Wolfram mit vollem Einsatz – Foto: (c) Eize Hoekstra (www.eize.nl)

„Unser größter Erfolg war sicher der 2. Platz beim Sailhorse Europacup 2016. Wobei wir durch unsere Blödheit knapp am Titel vorbei geschrammt sind. Hätten wir nicht in einer Wettfahrt die Bahnänderung übersehen, dann hätten wir wohl gewonnen.

Die größte Niederlage ist im Segeln immer relativ. Bei Klassenregatten weiß man eigentlich sofort woran es lag, und somit wird aus einer Niederlage eine Fehleranalyse und ein Lernprozess, der den Erfolg der nächsten Wettfahrt bestimmt.

Schwieriger ist es da bei Handicap-Regatten. Wolfram sagt immer: ‚Wenn du glaubst, du bist gut gesegelt, dann bist du nach der Berechnung Vorletzter und wenn du glaubst, du hast total versagt, dann bist du nach der Berechnung noch mindestens Zweiter.’”

Eure größte seglerische Stärke? Eure größte Schwäche?

Es muss Spass machen – Foto: N. Altenhöner

Es muss Spass machen – Foto: N. Altenhöner

„Unsere größte Stärke ist es wohl, bis zum Schluss zu kämpfen, auch wenn man noch so weit zurück liegt, und niemals aufzugeben bevor man im Ziel ist. Mein Ex-Vorschoter und 3. Weltmeister im FD sagte immer: ‚Die Toten werden am Schluss gezählt’ und mein Vater: ‚Die Kartoffeln werden im Keller gezählt’ – was ja wohl das selbe meint.

Meine größte Schwäche ist, dass ich mich zu oft in Wolframs Sachen einmische, wie zum Beispiel beim Spifahren. Unsere gemeinsame Schwäche ist, dass wir manchmal zu fokussiert auf das Boot sind, dass wir andere Dinge um uns herum vergessen, wie zum Beispiel das Flaggensignal der Bahnänderung beim Europacup 2016.”

Was schätzt Ihr an Eurem Segelpartner am meisten?

„Ich schätze Wolframs Zuverlässigkeit, seinen Kampfeswillen, seine Kondition und seinen Spaß in jeder Situation am Segeln.

Wolfram schätzt an mir Fehler abzuhaken und weiter zu segeln, ohne lange damit zu hadern.”

Wie viel Wert legt Ihr auf die technische Ausrüstung?

Technische Debatte mit Henk– Foto: N. Altenhöner

Technische Debatte mit Henk – Foto: N. Altenhöner

„Ein gutes Regattaboot muss zunächst einmal für Regatten gebaut sein. Ich merke das immer wieder bei jeder Fahrtenyacht, die an Regatten teilnimmt. Gegen eine gleiche Yacht, die nur für Regatten gebaut ist, hat diese keine Chance. Ähnlich ist es mit der Sailhorse, auch wenn die Unterschiede hier nicht so gravierend sind. Wir nehmen z. B. unser Boot nach jedem Segeln an Land und haben keinen Unterwasseranstrich. Wir verwenden fast ausschließlich Karbonbeschläge von Harken, wir achten darauf, dass alles leichtgängig ist und sich auch ab 4 Bft. komfortabel bedienen lässt. Die Summe der Kleinigkeiten macht den Unterschied.”

Was ist das Besondere an Eurem Boot?

„Wir haben das Boot an unsere Trimmbedürfnisse angepasst. Ich habe mit Wolfram viel Zeit verbracht, in dem wir einfach im nackten Boot saßen und über die Anordnung der Beschläge philosophierten.

Wir haben jede Schraube gemeinsam reingedreht, uns über jedes Design Gedanken gemacht, viel Geld investiert. So etwas schweißt Boot und Mensch zusammen.”

Euer Geheimnis für den Erfolg?

„Der Erfolg bei einem Zweihandboot liegt im Teamgeist. Jeder muss sich mental auf den Partner einstellen und dessen Schwächen und Stärken kennen. Ich schnauze zum Beispiel auch mal rum, wenn es nicht so läuft, wodurch mein Partner sich nicht runter ziehen lassen darf und trotzdem Höchstleistung bringen muss. Alle Manöver kann man trainieren, aber menschlich muss es einfach passen, sonst macht es keinen Spaß. Und wenn es keinen Spaß macht, dann hat man keinen Erfolg.”

Was ist der wichtigste Tipp für ein Anfänger-Team?

Zweiter beim EuropaCup 2016 – Foto: N. Altenhöner

Zweiter beim EuropaCup 2016 – Foto: N. Altenhöner

„Aus Fehlern lernen. Segeln ist eine der ganz wenigen Sportarten, in denen ein 60jähriger einen 16jährigen schlagen kann. Es zählt beim Segeln die Erfahrung. Alle Situationen wiederholen sich, und derjenige, der seinen Fehler vom vergangenen Mal nicht wiederholt, der gewinnt.

Für sämtliche Trimmeinstellungen, Manöver und Regattataktik gibt es jede Menge Lehrbücher, aus denen man lernen kann. Am Ende hilft nur ausprobieren und segeln, segeln, segeln …”

Was ärgert Euch am meisten bei einer Regatta?

„Wenn man wegen eines Materialschaden aufgeben muss. Alles andere, wie seine eigenen Fehler, kann man kompensieren, man kann daraus nur gewinnen und weitersagen und kämpfen. Aber wenn etwas kaputt geht, weil es unterdimensioniert war oder schlecht gewartet, dann kann man nichts machen.”

Euer Motto?

„Spaß haben beim Segeln – egal wie es läuft. Macht es keinen Spaß, auch wenn man hinten ist oder sich ärgert, dann hat man sich die falsche Sportart ausgesucht.”

Euer größtes Vorbild?

„Jochen Schümann, Ben Ainslie, Robert Scheid – wenn man ganz hoch hinaus will. Henk, Dick Klasema, Ton Bouchier – wenn es um die Sailhorse geht. Es gibt viele Vorbilder – Respekt und trotzdem die Herausforderung, sich mit jedem seiner Vorbilder messen zu wollen.”

Mit wem würdet Ihr am liebsten an der Hotelbar ein Bier trinken?

„Ich habe viele kennengelernt – viele Weltmeister und viele Olympiateilnehmer. Sie sind alle sympathisch, alle Segler und die meisten wollen nur eins – kämpfen und danach ein Bier trinken.

Da die Sailhorsefamilie ihr Bier eher nicht an der Hotelbar trinkt, sind mir am liebsten die Abende vor den Zelten. Hier kann ich mit denen ein Bier trinken, mit denen ich mich vorher noch gefightet habe.”

Und worüber dabei reden?

„Über das, was man hätte besser machen können …”

Und welches ist Euer Lieblingspferd?

„Eindeutig die Sunhorse GER 2613”

Sunhorse OB

Lieblingspferd Sunhorse – Foto: Olaf Bolduan

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