Der Sailhorse neue Kleider – Teil 2: Die Segelmacher

Nachdem wir uns in Teil 1 ausführlich über die Segeltuche ausgelassen haben, wenden wir uns nun der Arbeit der Segelmacher zu.

Welche Aufgaben hat der Segelmacher?

Die Aufgaben der Segelmacher besteht darin, die in Teil 1 beschriebenen Tuche mit dem Kunden auszuwählen, zu einem Segel mit perfekten Segeleigenschaften und mit sehr guter Qualität zu verarbeiten. Dies geschieht in folgenden Schritten:

  1. Design des Segels: Zunächst werden z. B. Profilform und -tiefe, Volieks- oder Achterliekskurve im Rahmen der vorgegebenen Maße mit einem CAD-Programm festgelegt.
  2. Das CAD-Programm berechnet die Flächen und zeichnet sie per Plotter auf die Bahnen mit Segeltuchen.
  3. Die einzelnen Flächen werden von Hand oder einer Maschine ausgeschnitten.
  4. Dann werden sie von Hand mit Doppelklebeband fixiert und
  5. genäht. Dazu zählen auch die Lieken.
  6. Zum Schluss werden die Beschläge, Verstärkungen und Kauschen (Kopfbeschlag, Lattentaschen, Reffaugen, Cunningham …), Fenster und Segelzeichen angebracht.
Selten: Groß und Genua mit triaradialem Schnitt von LvB – Foto: O. Bolduan

Selten: Groß und Genua mit triaradialem Schnitt sowie individuellen Segellatten-Längen von Lammerts van Bueren – Foto: O. Bolduan

Worauf kommt es bei der Qualität an?

Nähte: Gegen leichtes Aufribbeln helfen nur Sechs-Stich-Nähte, die darüber hinaus eine 2,5-fach höhere Festigkeit gegenüber den früher angewendeten 3-Reihen-Zick-Zack-Nähten aufweisen. Diese haben sich nicht bewährt.

Verstärkungen: Fallschirmfächer oder Tear Drop Verstärkungen sorgen als lastorientiere Verstärkungen für eine harmonische Lasteinleitung (Aufdoppelungen erreichen nicht denselben Effekt). Scheuerschutz an belasteten Stellen, insbesondere an den Lattentaschen im Vorliekbereich, sind ebenfalls sinnvoll. Alu- oder Kunststoff-Kopfbrett

Lattentaschen: Ein Gummizug sollte die Segellatten unter ständigem Druck halten. Die Enden müssen verstärkt sein, um ein Durchstechen zu verhindern, und insgesamt müssen sie gut vernäht sein. Es gibt durchaus Erfahrungen mit einem Segelmacher, dass die Lattentaschen in (allerdings heftigen) Böen abreißen.

Breite der Segelbahnen: Typische Breite sind: 0,914 und 1,4 m, wobei Polyestersegel ihr Profil über die Nähte erhalten. Daraus folgt: Je mehr Nähte desto besseres Profil, desto etwas höheres Gewicht aber auch desto höhere Kosten. Die Segelmacher verwenden für Sailhorse-Segel die Bahnen mit 91,4 cm Breite.

Welche Segelmacher gibt es?


Da man für das Design der Segel vielleicht kein guter Gesprächspartner für den Segelmacher ist, und der meist auch nicht darüber reden will, ist man auf „Vertrauen” angewiesen. Wir haben versucht, dieses Vertrauen ein wenig zu unterlegen. Dazu haben wir die letzten drei Eurocups ausgewertet, indem wir die durchschnittlichen Plätze der Boote, die mindestens zwei Ergebnisse einfuhren, ermittelten. Lesebeispiel: „Big Deal” fuhr die Plätze 1, 2 und 1 in den Jahren 2014, 2015 und 2016 ein, das ergibt einen durchschnttlichen Punktewert von 1,3 und Platz 1. Für „Flash” haben wir die Plätze 3 und 11 für die Jahr 2015 und 2016 gewertet, dies bedeutet den Wert 7,0 und Platz 7.

Auf diese Weise konnten wir 20 Boote auswerten. 10 von ihnen fuhren De Vries-Segel, 4 Kort & Smits. Die Plätze 1 (Big Deal), 2 (Sunhorse) und 5 (W.A. van Buren) waren mit De Vries-Segeln ausgerüstet. Die Plätze 3 (Pas de Deux) und 4 (Helter Skelter) mit Kort & Smits. Platz 6 (Buurman) fährt De Vries und Kort & Smits. Erst auf Platz 9 (Inkus) kommt mit Samsails ein anderer Segelmacher zum Einsatz. Interessant ist auch, dass „Sunhorse” von Beilken auf DeVries gewechselt ist und „Pas de Deux” von Kort & Smits zu Molenaar.


De Vries

In Holland lassen sich die meisten Segler, auch in der Leistungsspitze, ihre Segelkleider von De Vries schneidern, die zur UK-Gruppe zählen. De Vries empfiehlt als Ausgangsmaterial für Groß- und Vorsegel DP 205 SQ mit losem Unterliek beim Großsegel. De Vries verarbeitet UV-geschützte Nähte mit Triplestichen und setzt ein Alu-Kopfbrett ein. Es werden zwei Jahre Garantie gewährt. De Vries liefert auf Wunsch aber auch in AP-Qualität und Contender-Tuche.

Kort & Smits

Der friesische Lokalmatador unter den Segelmachern ist wohl Kort & Smits aus Drachten. Mit Pas de Deux (zuletzt auf Molenaar gewechselt) und Helter Skelter stellt er die Plätze 3 und 4 unserer Auswertung. Der erfolgreichste Sneek-Week Segler überhaupt, Toni Bouchier mit Magic Horse, fährt ebenfalls Kort & Smits – und Molenaar.

Molenaar

Durch eine Kooperation der niederländischen KV sind des öfteren Molenaar-Segel auf dem Wasser zu sehen. Molenaar, ebenfalls in Friesland ansässig, verwendet Ripstop-Contender-Tuche mit Polykote-Finish und empfiehlt ein Tuchgewicht von 234 g/qm, die im Horizontal-Schnitt verarbeitet werden.

Auffällig ist, dass in „Meeresnähe”, also z. B. auf dem Sneeker Meer, gerne auf die Segel der beiden friesischen Segelmacher zurückgegriffen wird.

Samsails

Auch im Berliner Raum gibt es mit Samsails einen Lokalmatador. Samsails empfiehlt für die Fock DP 245 SQ und für das Groß DP 205 SQ mit losem Unterliek. Bemerkenswert ist, dass Samsails bei verschiedenen Aufträgen unterschiedliche Materialien verwendet und bei der Genua auch bi-radial geschnitten hat. Segler mit neuen Samsails sprechen von einem deutlichen Performance-Gewinn. Samsails wird u. a. von Inkus gefahren.

Beilken

Beilken empfiehlt auf beiden Segeln DP 245 SQ mit dem Groß-Unterliek in der Baumnock. Beilken wurde vom deutschen Sailhorse-Händler und besten deutschen Segler auf Chergui 2 gefahren, er ist allerdings in der Zwischenzeit auf De Vries-Segel umgestiegen.

Fritz

Auch Fritz-Segel bietet One-Design-Angebote für Sailhorse und ihre Freunde wie Efsix oder KZV. Aktuell segeln zumindest Eurocup-Segler nicht mehr mit Fritz-Segeln. Das liegt vielleicht daran, dass es z. Zt. keine Eurocup-Segler aus dem Süddeutschen, wo Fritz bevorzugt gesegelt wird, gibt.

Fritz-Segel gibt übrigens einen interessanten Tipp für die Bestellung eines Großsegels: Der Segelmacher möge doch den untersten Teil des Segels, den Fuß (auch shelf genannt) aus weichem, nichtgeharzten Tuch fertigen. Das gestatte ein leichteres und wirkungsvolleres Umtrimmen im Unterliekbereich.

Latsch

Ein weiteres One-One-Design-Angebot für Sailhorse und ihre Freunde wie Efsix oder KZV bietet die Segelmacherei Latsch aus Borgholzhausen. Auf diesen Segelmacher sind wir durch Recherche gestoßen, uns liegen keine Erfahrungen mit diesen Segeln vor. Bemerkenswert ist, dass Latsch als einziger neben DP und Contender auch Tuche von Bainbridge, Tejin und Toray (dem wohl weltweit größten Tuchhersteller) verarbeitet.

Moritz

Die Segelmacherei Moritz sieht sich als eine der vielseitigsten Firmen der Branche und durchaus auf offene Kielboote spezialisiert. Daher gibt es bei Moritz Angebote für Sailhorse, Efsix, Impala, KZV und andere.

Lammerts van Bueren

Lammets van Bueren scheint eine Weile die Sailhorse-Typ F ausgestattet zu haben. Seine Segel sind auch noch auf dem Wasser zu finden, er bietet aber heute wohl keine Segel mehr an.


Übrigens: Fast alle Segelmacher bieten bis Ende des Jahre Herbstrabatte!


Die bisher benannten Punkte wie Tuchauswahl, Fenster oder Segellatten kann man dem Segelmacher überlassen – wenn man will. In Teil 3 folgen dann Punkte, die man aber besser beachten sollte, z. B. beim Einsatz einer Rollfock. Abgeschlossen wird unsere Serie mit einer Checkliste für die neuen Segelkleider.

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