Der Sailhorse neue Kleider – Teil 3: Tipps für die Bestellung

Wir wissen nun aus den Teilen 1 und 2 alles über Segeltuche und deren Schnitte, kennen die Aufgaben und Qualitätsmerkmale der Segelmacher, die Angebote für Sailhorse and Friends-Boote bereithalten und auf kleine, offene Kielboote spezialisiert sind. Sind wir nun bereit für die Segelbestellung?

Vorher zeigen wir noch einige Fallen auf, die, wenn sie bei der Segelbestellung nicht beachtet werden, zu vorprogrammiertem Ärger führen können: Mit anderen Worten: Tipps aus der Praxis mit einer Checkliste am Ende des Artikels.

Die Preise – vollständig?

Dass die Bestellformulare der Segelmacher keine „all-inclusive-Preise” ausweisen, kann man sich oft nur indirekt erschließen, wenn man bei den Zusatzpreisen – nur zum Beispiel – „Reff pro lfdm”, „Fenster” oder „DSV-Vermessung” entdeckt – alles Punkte, die in den KV vorgeschrieben sind und daher vorhanden sein müssten, da sich Segelmacher gerne auf die Klassenvorschriften (KV) berufen. Doch die KV sind keinesfalls konkrete Vorschriften, oft geben sie lediglich einen Rahmen vor. So ist von „mindestens 1 Reff”, „mindestens 1 Fenster”, „maximal 6,35 m Fock-Vorliekslänge” oder „maximal 0,5 qm Fensterfläche” die Rede. Ein Maß für das Unterliek des Großsegels ist erst gar nicht vorhanden. Und wer nach „Square”-Tuchen oder Hard-Finish fragt erhält plötzlich Aufpreise. Also: Vorher klären!

Rollfock

Eine besonders gemeine Falle kann zuschnappen, wenn Ihr eine Rollfock einsetzt oder plant einzusetzen.

  • In den KV ist für das Vorliek der Fock ein Maximalmaß von 6,35 m angegeben. Es ist aber nicht genau gesagt, worauf sich dieses Maß bezieht. Segelmacher interpretieren das Maß als Länge zwischen den beiden Druckpunkten der Vorlieksaugen. Wenn nun z. B. eine Rollfock wie die Harken 435 (mit Trommel und Wirbel 13,2 cm lang), dazukommt, haben wir ein Maß von 6,482 m. Dazu kommen möglicherweise noch zwei Schäkel (s. u.). Folge: Ein Vorliek mit diesem Maß kann zwischen Mast und Bugkappe nicht mehr durchgesetzt werden! Damit fängt das Improvisieren an: Der Mast wird weiter geneigt als man trimmtechnisch möchte, der Großbaum senkt sich und steht nicht mehr parallel zum Boot, die Wanten passen nicht mehr und und und.

Theoretisch müssten die 13,2 cm abgezogen werden, das scheint zumindest De Vries auch ohne weitere Hinweise zu tun (wir haben mal bei zwei Booten 6,22 m und 6,24 m am Segel gemessen, deren Eigner über die Vorliekslänge bei der Segelbestellung nichts vereinbart hatten). Wir kennen aber zwei Fälle in Deutschland, wo dies zu nachträglichen Diskussionen geführt hat. Manche sagen, dass ein Kürzen von ca. 5 cm ausreicht. Auf unsere Nachfrage bei den Klassenvereinigungen, ob dies dann noch den Vorgaben entspricht (je nach Betrachtung beträgt die Länge mit Rollfocksystem dann ja 6,432 m (ggf. plus Schäkel) erhielten wir keine Antwort …

  • Noch ein Tipp für die Rollfockvariante: Die Ringecken (Halsecke und Kopfecke) der Fock sollten direkt in Trommel und Fockroller passen (bei Harken beträgt die Maulweite 8 mm), so dass keine Verlängerung per Schäkel notwendig ist. Das bringt das Unterliek näher zum Vordeck (besser für die Performance) und schafft mehr Platz zum Kopf-Anschlagpunkt. Sonst müsste die Länge des oder der Schäkel auch noch zu den 13,2 cm der Rollfock addiert werden.

    Red Horse – Rollfock mit Schäkel. Foto: N. Altenhöner

  • Und Rollfock zum Dritten: Die KV erlauben Drahtstärken im Vorsegelvorliek von über 3 mm Durchmesser. Solltet Ihr allerdings eine Harken-Rollfockanlage haben oder planen: Diese ist auf eine maximale (!) Drahtstärke von 3 mm ausgerichtet.
  • Die Vorliekspannung bei der Sailhorse ist von besonderer Bedeutung (siehe: Riggtrimm). Zur Erinnerung: Sie wird ja durch die Spannung des Drahtes im Vorliek des Vorsegels erzeugt. Wenn aber die Ringecken das Gewebe mit dem Draht fest verbinden, dann erhöht die Spannung des Draht-Vorlieks auch die Spannung des Gewebevorlieks.

Wenn dies nicht, wie erlebt, exakt aufeinander abgestimmt ist, gibt es hier unterschiedliche Spannungen. Zum Beispiel kann das Drahtvorliek nicht weiter gespannt werden, weil bereits Längsfalten im vorderen Bereich des Vorsegels entstehen. Folge: Das Vorliek kann nicht wie erforderlich gespannt werden, die eigentlich mögliche Höhe wird nicht erreicht.

Eine Art Spannvorrichtung („kleine Cunninggham”) für das Segel-/ Gewebevorliek über der Hals-Ringecke schafft hier Abhilfe.

Großsegel

  • Loses oder in der Baumnut geführtes Großsegel? Der Trend geht zum losen Unterliek. Tatsächlich ist die gewünschte Unterliekspannung bei einer losen Führung leichter zu finden als bei einer Führung in der Baumnut, denn hier hat man oft mit Längsfalten zu kämpfen (ähnlich wie bei der Vorliekspannung der Fock). Auch scheinen Segelmacher die lose Variante leichter und damit besser fertigen zu können. Doch mehr und bessere Trimmmöglichkeiten müssen auch genutzt werden. Wer das nicht kann oder will sollte die klassische Variante wählen.
  • Nicht jeder Segelmacher verstärkt die Lattentaschen ausreichend stabil. Hier hat es schon Abrisse bei niegelnagelneuen Großsegeln gegeben, natürlich nur in heftigen Windböen. Aber die sollen ja vorkommen …
  • Wichtig ist, dass die max. Maße des Unterliek-Bogen bei der Fock und des Achterliek-Bogens beim Groß genutzt werden, denn hier entsteht Segelfläche (durchaus 2 qm Gewinn gegenüber alten Schnitten) und damit Performance.

Dabei kann die Länge des Achterlieks eher kürzer gehalten werden (damit der Baum parallel zur Bootslänge liegt).

Welche Kosten?

Nun, zum Ende der Saison, werden häufig Sonderpreise angeboten. Wir haben 2016 eine kleine Umfrage mit folgenden Ergebnissen für ein Großsegel gem. unserer Checkliste unten durchgeführt. Wobei die Preise, wenn nicht anders angegeben, ohne Winterrabatte zu verstehen sind. Dazu kommen noch die Transportkosten, die bei gerollten Segeln durchaus beachtenswert sind:

Und hier die Checkliste als PDF.

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