Gemischte Doppel – Sailhorse Segel- und Regattatraining 2017

Ein Beitrag von Stefan Raich
Am 29. und 30. April 2017 fand in der Spandauer SVUH ein hochkarätiges Segel- und Regattatraining statt. Ausrichter war die deutsche Sailhorse Klassenvereinigung. Neben den beiden sehr unterschiedlichen Trainern Henk van Dijk und Dirk Jahnke waren auch noch weitere gemischte Doppel am Start. Das Ganze fand schließlich seinen Ausklang im Rahmen der Club-Regatta des Segler-Club Gothia e. V. am 1. Mai.

Drei gemischte Doppel

Am letzten Aprilwochenende konnten die 26 Teilnehmenden des Segeltrainings die ganze Vielfalt und zugleich das Verbindende der Sailhorseklasse erleben. Neue Sailhorse’ler trafen auf alte Hasen, junge auf jung Gebliebene, Deutsche auf Holländer und alle konnten voneinander lernen. Die weiteste Anreise hatte sicherlich ein Doppel aus England hinter sich. Das ergab ein buntes Bild und machte die Sache lebendig.

Eins – Zwei Trainer

Der Ostwind zeigte sich in typischer Berliner Unbeständigkeit. Im Mittel lag der Wind zwar „nur” bei ca. 4 Beaufort, doch die häufigen Böen lagen bei 5 und einige Male auch bei strammen 6 Windstärken.

Die Trainer bei der Theorie-Abstimmung
Foto: N. Altenhöner

Beste Voraussetzungen, um auf dem Wasser auszuprobieren, was die beiden Trainer Henk van Dijk und Dirk Jahnke zuvor theoretisch erklärten.

Der eine, holländischer Routinier und langjähriger Vorsitzender der niederländischen SSK, immer engagiert für den Nachwuchs und geprägt durch seine vielfältigen Erfahrungen. Während des Wochenendes charmant und kenntnisreich assistiert von Elvier Custers und Charlotte van Dijk.

Der andere, deutscher Sailhorse-Händler und Segellehrer aus Rostock und derzeit einer der besten Regattasegler der Sailhorseklasse. Sie hatten sich eine Mischung aus Theorie und Praxis überlegt.

Zwei – Zwei Segel

Es ging um drei Bereiche: Bootsbeherrschung, Manöver und Regattataktik, wobei der letzte Teil nur hinsichtlich der Startsituation behandelt wurde. Angefangen von der Betrachtung beider Segel aus physikalischer Sicht ging es zu den praktischen Tipps, wie die optimale Fahrt im Boot am besten zu erkennen ist. Wie stehen die Fähnchen in der Fock? Wie steht das Vorliek der Fock und wie das

Foto: N. Altenhöner

Achterliek des Großsegels? Oder welche Geräusche machen die Lenzklappen? Welcher Kurs ist der beste zur Luv-Tonne? Und wie gelingt der perfekte Start und welche neuen Startregeln gibt es? Das waren alles Fragen, auf die Antworten auch auf dem Wasser gegeben wurden und zu denen auch hier im Blog zu lesen sein wird.

Neben den theoretischen Kenntnissen standen für Henk vor allem das Sehen und Fühlen an Bord im Vordergrund. Das entsprechende Training bedeutete dann Stillliegen, Rückwärtsfahren mit und ohne Fock, Auf- und Abfahrten zwischen Luv und Lee-Tonnen mit Motorbootbegleitung sowie rund 10 Starts. Zugleich wurden davon Filme gemacht, die im Nachgang an die Teilnehmer verteilt werden sollen.

Bei den Startübungen ging es durchaus eng zu
Foto: N. Altenhöner

Dabei ging es den Trainern um ein möglichst intensives Coaching der Manöver. Die Annäherung des Motorbootes mit Henk wurde von den Teams öfter mit großem Respekt aufgenommen. Und wohl nicht zufällig hat so mancher genau dann die größten Fehler gemacht. Genau dafür war dieses Training da, um Fehler zu machen und um es dann hoffentlich zukünftig besser machen zu können. Letztlich lässt sich auch über Fehler am besten lachen – bei der anschließenden Videoanalyse in der Messe der SVUH.

Die Bedingungen bei zum Teil stark drehende Winde taten ihr übriges, um den Lerneffekt der Teilnehmenden zu erhöhen. Wo sonst kann man auch unter schwierigen Bedingungen und gleichzeitig sicher durch die Begleitung durch zwei Motorboote mit erfahrenen Trainern und 11 anderer Sailhorse üben? Letztlich konnte jeder mit dem Gefühl herausgehen: Ja, ab 20 Knoten wird es anstrengend aber ich kann meine Sailhorse auch bei 6 Beaufort beherrschen!

Drei – Gemischte Doppel auf dem Boot


Henk: „Jede Sailhorse ist gleich” – Teilnehmer: „Niemals”


Perfekte Haltung bei der Bojen-Ansteuerung
Foto: N. Altenhöner

Weitere gemischte Doppel fanden sich auf den Booten. Die Trainer ermunterten die Teilnehmer dazu, untereinander zu tauschen und sich einmal von ihren „angestammten” Partnern zu trennen. Und so manche/r hatte die tollsten Erkenntnisse dabei zu sehen, wie ein anderer Vorschoter oder eine andere Steuerfrau segelten und welche Unterschiede es in Nuancen im Aufbau der Schiffe gibt. Macht den guten Sailhorsesegler nicht aus, dass man ihn blind auf eine Sailhorse setzen kann und er dann ohne lange Eingewöhnung mit dem Schiff und dem Partner zu Recht kommt und seine Routinen abrufen kann? Vielleicht.

Die neuen Startregeln konnten gleich praktisch getestet werden
Foto: N. Altenhöner

Es entstand jedenfalls der Eindruck, der Partnertausch schweißte die Gruppe auch insgesamt zusammen. Am Ende wird der ein oder andere dann doch wieder reumütig zu seinem Partner zurückgekehrt sein.

Was fehlte? Da der Wind genau auf der Hafeneinfahrt der SVUH stand, hatten es die Boote schwer, insbesondere am zweiten Tag pünktlich oder überhaupt zur Übung „Regattastart” zu kommen. Da für diesen Fall nur eine Takelboje zur Verfügung stand, gab es hier eine Abfahrtschlange. Vielleicht wäre hier ein Bootsschlepp aus dem Hafen heraus hilfreich gewesen.

Schluss

Vier Teams machten am 1. Mai von der Möglichkeit Gebrauch, im Rahmen der Club-Regatta des Segler-Clubs Gothia e. V. das Gelernte anzuwenden. Es handelte sich um eine Langstrecke mit Wendemarke in der Sacrower Lanke. Die erste Hälfte war fast durchgängig mit halbem Wind zu fahren. „Zottel” brauchte für die insgesamt 13 Seemeilen 2 Stunden und 17 Minuten.

Der Autor am Steuer von Phönix
Foto: N. Altenhöner

Der „Teilnehmer-Schwund” war verständlich, denn der Wind zeigte sich am dritten Tag in Folge mit 4 bis 5 Beaufort in guter Kondition. Die Böen nahmen sogar noch deutlich zu. „Windfinder” will pünktlich zum Start bis zu 35 Knoten, d. h. 8 Beaufort, gemessen haben.

Drei gemischte Doppel an diesem Wochenende haben eindrucksvoll gezeigt, was in der Klasse steckt und das Verbindende ausmacht. Würde man das Sailhorse-Segeln beschreiben, dann könnte man folgendes sagen: Offenheit für Neuerungen und die ständige Suche nach Verbesserungen, der rege Austausch, gegenseitige Unterstützung und das Dazulernen, mit dem Ziel besser zu segeln sowie Geselligkeit und ein respektvoller Umgang miteinander – auch wenn man sich einmal die Meinung an Bord sagt …

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