Windspiel – Segelpferde zu Gast beim Berlini-Cup 2017

Ein Beitrag von Ralf Waßmuth und Stefan Raich.

Der traditionsreiche Berlini-Cup am Tegeler See fand 2017 wieder mit Sailhorse-Beteiligung statt. Nach einigen Jahren Abwesenheit kam ein acht Boote starkes Sailhorse Feld an den Start. Neben zwei Booten des Ausrichters SC Freia, Red Horse und Wind of Change, fanden sechs Boote von der Unterhavel den Weg nach Tegel. Dabei bildete sich spontan, zumindest für den ersten Tag, eine gemischte Freia-SVUH-Besatzung auf Smiley.

Schlepp wie im Urlaub – Foto: R. Waßmuth

Der SC Freia hatte am Freitag vor dem Regattawochenende einen Schlepp durch die Spandauer Schleuse organisiert. Bei bestem Wetter erlebten die Teilnehmer die Tour durch die Spandauer Altstadt und die Tegeler Inselwelt „wie Urlaub“.

Das große Warten

Der erste Renntag begann mit Regen – gefolgt von Flaute. Das ergab zwar eine schöne Aussicht auf den See, aber nicht auf Wind. Startverschiebung war die Konsequenz. Die Gelegenheit zum allgemeinen Aufräumen und Basteln an den Booten, Plaudern mit den Mitseglern und Bestaunen von technische Einzelheiten auf den Nachbarbooten. Im Clubhaus wurden Kartenspiele ausgegeben. Schließlich eröffneten die Gastgeber bereits gegen Mittag das Kuchenbuffet, um die Segler und Seglerinnen bei Laune zu halten.

Zwar hatte das blaue Favoritenboot schon den Hafen verlassen und vorgemacht, dass man auf einem einzelnen Strich Wind tatsächlich vorwärts kam, aber dies überzeugte noch nicht allgemein. Spötter rieten dazu, am besten gleich den nächsten Programmpunkt aufzurufen und den Grill anzuwerfen, statt auf den Wind zu warten. Auch irritierten die Warnungen vor Gewitter am Nachmittag.


Auf dem Steg starrte die Windfindungskommission mit ernsten Gesichtern auf den glatten See, indianische Heya, Heay-Gesänge wurden angestimmt.


Die Rennen beginnen

Wechselnde Winde – Foto: K. Knode

Als schließlich gegen Mittag der Wind doch etwas auffrischte, ging es los. Im Dreieck ging es um unübersehbare große gelbe Bahnmarken, Start gegen den Wind nach Osten. Dabei blieben den Teilnehmern die Probleme der Inselabdeckungen im Tegeler See erspart.

Schnell war klar, dass der schwache Wind einen etwas anderen Fahrstil von den Teams verlangte. So konnte es durchaus gewinnbringend sein, besonders nach Wenden etwas weniger Höhe zu fahren und dafür mehr Geschwindigkeit im Boots zu haben, bevor das Anluven wieder ging.

Das erste Rennen ging an Team Inkus, hartnäckig verfolgt vom Team Capriole nach einem „ungefähr pünktlichen Start”. Die Winde drehten zum Teil und „Böen” waren als Antriebshilfe gern gesehen – wenn sie nicht aus der „falschen” Richtung kamen.

Das zweite Rennen

Zum zweiten Start dann: allgemeine Flaute. Das Hauptfeld startete am Startschiff, an der theoretisch bevorzugten Seite, endete aber im Windloch. „Wendelin“ und „Red Horse“ waren auf der Startlinie weit nach Backbord abgefallen, um dem allgemeinen Trubel zu entgehen und auf dem Strich Wind zu segeln, der sich dort zeigte. Währenddessen parkten die „Altmeister“ schier unbeweglich hinter dem Startschiff ein.

Gefühlt hatten die Ausreißer schon die Hälfte des Weges zur Luvtonne geschafft, während das Hauptfeld immer noch hinter der Startlinie dümpelte. Doch es kam, wie es kommen musste: Berauscht vom momentanen Erfolg glaubte die führende „Red Horse“, dass der Wind auf ihrem Kurs nie enden würde. Die Teams taten nichts zur Verteidigung ihrer Position. Statt zu wenden und sich zwischen Luvtonne und Feld zu legen, fuhren sie direkt in ihre eigene Flaute. Die „Altmeister” fanden weit an der Steuerbordseite des Feldes doch etwas Wind und holten auf. An der ersten Tonne war „Red Horse“ immerhin noch Dritter.

Capriole zieht unaufhaltsam vorbei – Foto: K. Knode

Theoretisch hätte danach eine Vorwindstrecke auf dem Weg zur Leetonne kommen sollen. Die ersten Boote zogen auch den Spi. Doch als „Red Horse“ den Spi oben hatte, drehte der Wind auf Halbwind, der Spi fing kaum Wind und „Capriole“ zog mit Genua unaufhaltsam vorbei.

„Inkus“ hatte ebenfalls weniger Glück mit ihrem Spinnaker. Beim Bergen ließ sich der Spibaum nicht mehr lösen. Wie weiter mit einem Spibaum, der einfach so in die Gegend ragt? In dieser „Spi-Krise“ ließ die Präzision des Segelns nach und so zeigte sich, dass man gelegentlich auch „Bayern München” schlagen kann: „Inkus“ wurde Dritter, „Capriole“ und „Phönix“ gingen vorher über die Ziellinie.

Damit lagen am Ende des Tages zwei Boote mit Genua vorn, was die alte Debatte über Vor- und Nachteile zwischen Fock und Genua erneut befeuerte.

Après Segeln

Nach den Verzögerungen des Vormittags und zwei vollbrachten Wettfahrten leitete der SC Freia den gemütlichen Teil des Nachmittags ein. Ganz ohne Gewitter wurde draußen gefeiert. Großzügig und herzlich wurden die Segler bewirtet, eine ganze Armada an Vereinsmitgliedern stand hinter Grill und Theke bereit, um circa 60 Seglerinnen und Segler zu beköstigen. Schließlich trugen auch die Europe- und Varianta-Klassen Wettbewerbe aus.

Der zweite Tag

Der Sonntag begann wie der Samstag mit einer Startverschiebung – nur sonniger. Sonnencreme und kurze Hosen waren angesagt. Gegen 12 Uhr strich dann ein ordentlicher Nordwest über den See, so dass 50 Meter neben dem Steg des SC Freia gestartet werden konnte.

Spannende Zweikämpfe auch in der zweiten Hälfte – Foto: K. Knode

Die Mehrzahl der Boote startete klassisch auf Backbordbug und wendete früh nach Steuerbord, bis auf Inkus, Red Horse und Smiley. Wie sich herausstellte, die richtige Strategie, denn die Abdeckung hinter Lindwerder spielte heute eine eigene Rolle, so dass trotz weniger Wind auf dieser Seite der beständige Dreh quasi direkt auf die Luvtonne führte. Ein guter Vorsprung auf das Feld und ein ungewohnter dritter Platz von Smiley war die Folge für die erste Runde.

Diese dritte Wettfahrt verlangte von den Steuerleuten ständige Korrekturen und von den Vorschotern fortwährende Turnübungen. Teilweise drehte der Wind auf den Amwindkursen so stark, dass es besser war, der „selbstwendenden” Fock zu folgen. Manche nennen es auch Automatikwende.

Insbesondere die Smiley-Mannschaft war gefordert. Eine zu kurze Genua-Schot erforderte die Segelführung „von Hand” in Lee, was für den Steuermann ständiges Ausreiten bedeutete. Zunehmender Wind verlangte artistisches Wechseln des Vorschoters nach Luv, mit der Folge einer teilgefierten Genua und wenig Höhe.

Die zweite Runde

Smiley verabschiedete sich nach der Lee-Tonne aus der ersten Hälfte des Feldes – von Europes und Variantas auf die „falsche” Steuerbord-Seite getrieben – während alle anderen aus der ersten Runde gelernt hatten und die Backbord-Seite wählten.

Red Horse verlor den Anschluss an die Spi-ziehende Inkus vor dem Wind, konnte aber den zweiten Platz vor den aufkommenden Phoenix und Capriole verteidigen.

Mit ihrem zweiten ersten Platz übernahm Inkus damit die Gesamtführung von Capriole.

Der Abschied

Aus zeitlichen Gründen entschied die Wettfahrtleitung nach drei Rennen, die Regatta zu beenden. Nach der Siegerehrung wurden die „Havel-Boote” verpackt und wieder in Schlepp genommen. Das angedrohte Gewitter blieb aus, dafür gab es teilweise Nieselregen. Die Steuerfrau der „Phönix“ fuhr mit Regenschirm (statt „wie Urlaub“ nun „wie Englandurlaub“). Auf der heimatlichen Unterhavel brach dann aber wieder die Sonne durch.

Ein erfreuliches Regattawochenende war zu Ende. Wieder dazu gelernt. Favoriten gewinnen oft, aber nicht immer. Die Windverhältnisse ließen das Regattaspiel zu einem Windspiel werden, wenn es das nicht immer ist. Entschieden wird eine Regatta aber selten vom Wind, denn alle haben ja die gleichen Bedingungen.

Da es weitere Sailhorse auf dem Tegeler See gibt, gibt es noch Teilnahme-Potenzial für die nächsten Cups, zumal zwei Mitglieder des SC Freia erstmalig Regatta-Luft schnupperten.

Zum Schluss die „nackten Zahlen“, die natürlich die „Dramen” auf der Regattabahn nicht adäquat wiedergeben können:

Segel-Nr. Bootsname 1. Wettfahrt 2. Wettfahrt 3. Wettfahrt Gesamt-platzierung
2610 Inkus

1

3 1

1

2389 Capriole

2

1 4

2

2397 Phönix

3

2 3

3

2611 Red Horse

4

5 2

4

2505 Zottel

5

4 5

5

2586 Smiley

6

6 6

6

2569 Wendelin

7

7 7

7

2402 Wind of Change

8

8 8

8

 

 

 

 

 

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