20 Boote und ein Hund – EuroCup 2017

Von Ralf Wassmuth und Norbert Altenhöner

Die Maasplassen (niederl. plas, Tümpel) bei Roermond in der Provinz Limburg direkt hinter der holländischen Grenze waren der Austragungsort des diesjährigen Sailhorse-Eurocups – traditionell über Christi Himmelfahrt.

Stegköpfe fest in Sailhorse-Hand – Foto: R. Wassmuth

Das Städtchen Roermond hat eine schmucke Altstadt, von der die Teilnehmer allerdings ebensowenig gesehen haben, wie von dem weit über die Grenzen hinaus bekannten Outlet Center. Denn das eigentliche Ziel war eine vor 40 Jahren geflutete große Kiesgrube, aus der man eine künstlich angelegte Seenplatte geschaffen hat. Mit viel Platz für weiträumige und großzügige Hafenanlagen, die mindestens zur Hälfte Bootseigner aus NRW anziehen. So ist der Hafen komplett zweisprachig beschriftet. Der Hafen ist so groß, dass die Sommerfeste separat für die einzelnen Stege ausgerichtet werden. Es gibt mehrere, breite Slipbahnen, viel Platz zum Parken der Trailer und Verpacken der Boote sowie eine eigene Zeltwiese für die Sailhorsegemeinde.

Wer nur asketisches Zelten aus Studententagen kennt, wird hier überrascht durch ein Dorf aus holländischen Großraumzelten mit Stromanschluß, das sich um Gemeinschaftszelte schart, in denen man sich abends auf Campingsesseln zum gemeinsamem Plausch versammelt.

Segeln nach Zahlen – vom Clubpräsidenten Fons van Gent erläutert. Foto: M. Fohler

Optional konnte man „Halbpension“ mit Lunchpaket buchen, was die Wirte Aiga und Hans Sterringa im Clubhaus auf hohem Niveau realisierten. So gab es abends ein Buffet mit mehren Sorten Fleisch, darunter ein köstliches limburgisches Sauerbratengulasch.

Zum sportlichen Teil

Am Donnerstagnachmittag sowie ganztägig am Freitag und Samstag wurde gesegelt. Der gastgebende Club hatte auf dem See 8 feste Tonnen ausgelegt, die nach Art des Landes sehr entlegen unter Land in den äusserten Ecken des Gewässers zu finden und nach komplexen Kursen einfach oder mehrfach zu runden waren. Das Regattakommittee offerierte eindeutige und nachvollziehbare Startsignale und scheute auch vor Einzelrückrufen nach Frühstart nicht zurück. An Bord galt es, lange Tonnenfolgen für die Kurse zu memorieren. Auch erfahrene Teams waren vor Ansteuerung einer falschen Tonne nicht gefeit, insbesondere, wenn ein ganzer Pulk auf Abwege geriet.

Wind auf allen Kursen – Foto: M. Fohler

Der Wind zeigte sich am ersten Tag von der schwachen Seite mit etwa 2 Bft, nahm aber im Laufe des Wochenendes auf 3-4 Bft zu. Drehende Winde, wie in Berlin gefürchtet, gab es auch hier. Frustierte Steuerleute riefen „Vabanque-„ oder „Lotteriespiel“, wenn die Konkurrenz auf der anderen Seite des Feldes einen besseren Wind gefunden hatte. Neben den drehenden Winden und Flautenlöchern machte eine sommerliche Hitze den Seglern zu schaffen. Beschwerden über die Winddreher auf der Havel werden ab sofort nicht mehr angenommen.

Besonders erwähnenswert erscheinen fünf Boote und ihre Teams: Mit der Harakari erschien das Clubboot des Kölner Yacht-Clubs, das bisher vor allem durch die Teilnahme an der Rheinwoche bekannt war, erstmals bei einem Eurocup. Team Harakiri war nicht nur eine erheblicher Verstärkung der abendlichen Geselligkeit, sondern rauschte gleich im ersten Rennen auf einem für alle anderen unbekannten Windstrich vor dem gastgebenden ISCA-Chef ins

Bojenkämpfe in Ufernähe – Foto: M. Fohler

Ziel auf einen bemerkenswerten neunten Platz.

Team Blueprint war später angereist, um dann mit dreiköpfiger Familiencrew plus großem schwarzem Hund an Bord zu überraschen.


Vom Hund überholt zu werden, ist auch eine besondere Erfahrung.


Mit der Redbad war ein weiteres der zahlreichen holländischen Vater-und-Sohn-Teams erstmals am Start, das sich gleich eine Position im eng umkämpften Mittelfeld erobern konnte.

Aus dem britischen Exil war Grisu mit GBR im Segel gekommen. Leider zog das Boot Wasser, so dass es nach zwei Runden wieder an Land gezogen werden musste. Die Crew verwendete großen Eifer darauf, weiter an der Regatta teilzunehmen. Schliesslich wurde von den Gastgebern ein Ersatzboot gestellt, dessen Aufbau vom Altmeister Henk spontan zu einer Lektion in Riggtrimm mit großem Publikum umfunktioniert wurde. Team Grisu hatte sich am Ende den Sonderpreis in Form einer Flasche „Trostwasser“ redlich verdient.


Selbst dem kleinen Drachen war es wohl zu heiß – Grisu musste aussetzen. Foto: M. Fohler

Sportlich kann schließlich Team Inkus erwähnt werden, das mit einem hervorragendem vierten Platz die deutsche Fahne hochhielt.


Auch sonst gab es viel zu sehen und zu erleben, denn Feier- mit Brückentagen locken nicht nur Sailhorse aufs Wasser. So besetzte eine Truppe von vier Booten mit polnischen Anglern den Raum vor einer Landzunge. Da so manche Sailhorse hier Weg gut machen wollte, war regelmäßig  hektisches Einrollen der Angelschnüre die Folge. Eine Kolonie von bestimmt 30 bis 50 schwarzen Schwänen wurde meist umkurvt, was diese mit heftigem Geschnatter kommentierten. Den Standort aufgeben wollten die Schwäne jedoch nicht – vielleicht nutzten die Schwaneltern die besondere Spezie Sailhorse zum Anschauungsunterricht.


Zwei Doppelkanus erkannten wohl zu spät, dass ein Startfeld von 20 Sailhorse keine gemütliche Wasserfreizeit garantiert. Als dann noch Böen aufkamen, waren die mit knatternden Segeln in der unmittelbaren Startvorbereitung hin- und herrasenden Boote wohl Anlass genug für einen Fluchtversuch. Auf Zuruf vom Startschiff gaben sie ihr Vorhaben jedoch auf und lagen still – die jungen Paddlerinnen hielten sich mit den nun freien Händen beide Augen zu.

Sympathische Sieger mit einem Start-Ziel-Sieg – Foto: M. Fohler


Den Eurocup samt Kieltrophäe gewonnen hat schliesslich Pas De Deux mit eingespielter Mannschaft, die bereits 2013 den Eurocup gewonnen hat und in den letzten Jahren immer in der Spitzengruppe mitgefahren ist.

Einen erfolgreichen EuroCup hervorragend bewältigt – Foto: M. Fohler

Am Ende kamen die Regenschauer doch noch am frühen Morgen vor der Abreise, so dass die Zelte nass eingepackt werden mussten. Ein erfreuliches, sommerliches Wochenende mit vielen lehrreichen Erfahrungen ging zu Ende. Für viele Niederländer ist es selbstverständlich, sich schon zur Sneekweek im August wieder zu sehen, wir hoffen auf ein Wiedersehen beim Eurocup 2018, der voraussichtlich in Warnemünde ausgetragen wird.

Nachtrag 1: Wer mehr Fotos sehen will: Manuel hat Fotos hier zum privaten Gebrauch zusammengestellt.

Nachtrag 2: Der Sailhorse-EuroCup war sogar Thema im holländischen Fernsehen:

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.