Das große Sägen – die Geheimnisse des Kielkastens

Sailhorse-Segler zeichnen sich (manchmal) dadurch aus, dass sie den Dingen gründlich auf den Grund gehen. Robert aus Hamburg zählt dazu. Er hat 2015 Madita gebraucht erworben. Durchaus segelfertig, so dass er schon einige schöne Touren mit ihr unternommen hat. Trotzdem hat er sich vorgenommen, Madita zu „perfektionieren”. Und er lässt uns an seinem Werk und seinen Erkenntnissen zum Kielkasten der Sailhorse in einer bildstarken Geschichte teilhaben. Fotos und Zeichnungen sind – soweit nichts anderes angegeben ist – von Robert Lehner.

Die Idee: Ein leichtgängiger Hubkiel

Robert, warum bist Du der Kielmechanik von Madita so tief auf den Grund gegangen?

Robert: Nun, ich bin von Hause aus Bildhauer und arbeite künstlerisch. Da hat man durchaus seine eigenen Vorstellungen davon, was eine gelungene Mechanik darstellt.

Und der Sailhorse-Kielkasten zählt nicht dazu?

Robert: Genau. Wir haben hier ja ein Tidenrevier, und da ist eine Aufholmechnik schon wichtig. Kiel und Ruder müssen oft und daher leichtgängig funktionieren. Und das ist bzw. war bei Madita nicht der Fall.

Kiel und Spindel – wo es „hakt”

In Holland gibt es ja auch das böse Wort „Säge” für den Kielschaft. Aber eigentlich nur für bestimmte Baureihen.

Robert: Ich bin mir nicht sicher, zu welcher Baureihe Madita gehört. Es gibt keine Baunummer. Und in der Tat musste ich feststellen, dass die Breite von Kielschäften oder die Bauarten der Aufholspindeln sehr unterschiedlich sein können.

Sailhorse-Kielprobleme, Zeichnung R. Lehner

Sailhorse-Kielprobleme

Bei Madita ging das alles schwergängig, der Kiel klemmte auf dem letzten Stück und wollte sich nicht ohne Druck plan setzen und Schleifspuren am Kielschaft im vorderen Bereich zeugten ebenfalls davon, dass da „Sand im Getriebe” ist. Davon erzählten auch andere Sailhorser.

Jedenfalls habe ich mir die Sache mal genauer angeschaut. Und ich habe gesehen, dass manche Boote POM-Führungsnuten haben – zumindest im oberen, achterlichen Bereich.

Und das ist besser?

Robert: Klar, reicht m. E. aber nicht aus. Das ganze System ist nicht optimal. Z. B. verändern Kiel mit Kielschaft beim Fieren ihren Schwerpunkt, damit auch die Kontakt-/ Schleifpunkte.  Und bei einigen Spindeln gibt es am Fuß innen auch keine Führung der Gewindestange. Daher leidet auch das Spindelgewinde, wenn der Kiel im oberen Drittel gekurbelt wird.

Meine alte Spindel war nur noch Schrott, daher musste eine neue her (in zwei Versuchen die richtige gefunden). Diese habe ich genau ausgerichtet und am Fußende mit einer POM-Führungsplatte versehen, die sich bei Verschleiß nachbauen läßt.

Aber passten denn dann die Spindelaufnahmen noch?

Robert: Nicht wirklich, es stellte sich schon bei Demontage der Kiels heraus, dass die alte Spindel im Verhältnis zum Winkel der Kielvorderkante zu steil eingebaut war. Da habe ich die Aufnahmen erneuert und die Spindel mit leichter Vorspannung eingesetzt. Da bei Madita die Spindelverschraubung im Zwischenboden zugänglich ist, habe ich dort Muttern eingeklebt.

Die POM-Gleitbahnen

Und damit war dann alles perfekt?

Robert: Keinesfalls, damit war ja erst die Grundlage für das eigentliche Ziel gelegt, eine schöne und passende Gleitbahn für den Kielschaft zu schaffen.

Zunächst einmal ging es darum, den richtigen Winkel zu finden, in dem der Kielschaft durch den Kielschacht gleitet.

Und wie hast Du die Schienen dann angefertigt?

Robert: Dann habe ich Modelle der Vorder- und Hintereinlagen aus Holz gefräst, die mit einer Seite an den Kielschaft angepasst sind und an der Rückseite eine plane Fläche und rechwinklige Kanten haben. Sie umschließen ein Modell des Kiels aus Platte und wurden dann mit Epoxy eingegossen.

Wieso aus Holz?

Robert: Aus Holz deshalb, weil ich Schrumpfungen erwartet habe. Nach Aushärtung habe ich die Modelle dann durch POM-Teile ersetzt. Es war mir hier besonders wichtig, dass auch diese nach Verschleiß ersetzt werden können, weil ich nachvollziehen will, wie sich der Abrieb verhält.

 

Und der gleiche Ablauf bei der Hintereinlage

Und alles lief schön geschmeidig?

Robert: Schön wärs! Wie es immer ist: ich musste nach Einsetzen des Kiels nacharbeiten, die Schlitztiefen der Zulagen verringern und die Hintereinlage auf ein Drittel der Länge kürzen, damit der Kiel gut zu kurbeln ist.

Ich denke, die Fotos zeigen das sehr schön.

Fazit

Robert, Du hast nun Dinge gesehen, die den meisten von uns verborgen waren. Und Du hast ja kreativ Verbesserungen angebracht. Bist Du denn mit dem Ergebnis zufrieden?

Robert: Meine Bilanz fällt gemischt aus. Die Gleitbahnen und die Spindeljustierung sind eine feine Sache und sehr gut. Mein Problem ist der Kielschaft, denn den Kiel habe ich parallel ebenfalls überarbeitet.

Und das hat nicht funktioniert?

Robert: Ich habe den Kiel gespachtelt, aber das ist ein zu weiches Material. Ich fürchte, jetzt raspelt das Hartnylon (POM) das neu aufgespachelte Profil runter. Denn ich mußte feststellen, dass der verwendete Epoxyspachtel zwar Druck aushalten kann, aber dass VC Tar2 als Epoxyprimer nicht richtig haften will. Dazu kommen noch Probleme mit dem Antifouling VC 17, das reibt sich schnell ab, wie eine Fingernagelprobe zeigt.

Besser wäre wohl das einlaminieren des gesamten Kiels mit Epoxy und Gelege gewesen, wie es Olaf und Alex gemacht haben.

Nun ja, mit VC Tar2 und VC 17 haben viele Probleme, worüber wir auch schon berichtet haben, doch die Kielrestauration ist eine Geschichte, die ein andermal erzählt werden soll.


In jedem Fall haben wir die größte Hochachtung vor Deinem Werk und wünschen, dass Du das Problem mit dem gespachtelten Kiel auch noch hinbekommst.


 

 

Ein Kommentar

  • Guter Artikel. Ich sehe mal wieder: auch die Sailhorse ist ein System. Ändere ich etwas, reagiert an einer anderen Stelle etwas und nicht immer so, wie ich es erwartet hätte. Mit jeder Erfahrung lerne ich dazu 🙂

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.