Gennaker auf einer Sailhorse in Fahrt

Das Gennaker – Projekt

Unser Artikel zum Spinnaker-Jubiläum endete mit den Worten: .. – obwohl: Eine Sailhorse mit Gennaker wäre schon interessant …“ Und siehe da, Justus aus Hamburg denkt nicht nur darüber nach, er hat die Idee auch gleich umgesetzt!

Gennaker auf der Sailhorse, Zeichnung von Justus Pinckernelle

Gennaker-Projekt, Zeichnung Justus Pinckernelle

Justus, wie bist Du denn auf die Idee eines Gennakers für die Sailhorse gekommen?

Justus: Ich habe irgendwo ein kleines Video gesehen, in welchem ein Rüsselboot einen Wakeboarder zieht und zwar tatsächlich ausschließlich unter Segel! 

Und was steckt hinter der Idee?

Justus: Das ganze soll eher dem Spaß dienen, gerade bei geringeren Winden eine gewisse Mindestgeschwindigkeit bringen, ansonsten gelegentlich auch mal  Crew und Skipper herausfordern.

Und gleich umgesetzt!

Justus: Genau! Unsere Erstlösung sieht wie folgt aus:

  •  Gennaker:  26 qm, gebraucht von einer UNAS, wird mit dem Spi-Fall gefahren, also nicht am Mast-Top
  • Schoten laufen wie Spinnakerschoten, Luvschot allerdings ganz vorn außen herum
  • Rüssel/Bugspriet:  1,5 m Carbonrohr, 3 cm Durchmesser/2 mm Dicke
Gennaker-Rüssel auf Sailhorse; Foto: J. Pinckernelle

Gennaker-Rüssel der BUKEPHALOS; Foto: J. Pinckernelle

  • das Rohr läuft in zwei selbst zurechtgeschweißten VA4 Rohrstücken, vom Cockpit ausfahrbar ca. 70 cm
  • zur Sicherung gegen [mir unbekannte] Kräfte wurde ein Auge in den Bug gesetzt, von dem ein „Wasserstag” zur Spitze läuft, durch einen Block ebenfalls vom Cockpit zu bedienen ist.

Und schon getestet?

Justus: Ja, im Wattenmeer zwischen Wyk und Dagebüll. Zunächst nur bei Winden von Stärke 2 bis 3 (daher noch ohne Wakeboarder ;-). Immerhin: es funktionierte und wir konnten am ersten Tag mit fast Null Wind und etwa zwei Knoten Ebbstrom gegenan sogar die Position halten statt abzutreiben.

Aber es ist noch nicht alles perfekt – oder?

Justus: Klar gibt es noch ordentlich Lernbedarf. Gelernt haben wir schon beim Halsen unter Gennaker. Dabei überfuhren wir die (gerade nicht aktive) Luvschot, die ich dann unter dem Boot herausziehen musste. Das führte dazu, dass bei der nächsten Halse das Segel nicht mehr „außen herum”, sondern zwischen  Vorstag und seinem Vorliek durchgezogen werden mußte, was bei leichteren Winden sogar wohl die bessere Lösung ist, da er nicht ausreichend nach vorne ausweht. So lernt man, und ein Fehler zeigt sich als der vielleicht richtigere Weg.

Und wie geht es weiter?

UNAS Gennaker auf Sailhorse

Gennaker wird nicht im Top gefahren, sondern über Spi-Fall; Foto: J. Pinckernelle

Justus: Der Herbst endete dann ja mit den allerersten Versuchen – schon recht befriedigend, aber mangels „richtigen“ Winds keine echten Tests. Die Bilder zeigen immerhin, dass es prinzipiell funktioniert und die Dimensionen ganz gut getroffen sind. Schließlich sind 25 qm gegenüber der 11 qm-Genua schon ein Wort! Während des Winters habe ich mich dann nur mit Ideen beschäftigt, was man aus den ersten praktischen Erfahrungen gelernt hat. Das ist besonders das angesprochene Problem der Halse bei starkem und bei zu schwachem Wind. Fündig bin ich in verschiedenen Internet-Foren geworden, wo sich Leute lustig machten über einen Schreiber, der bei der Halse über die Gennaker-Schot gefahren ist und alles von achteraus neu einsammeln mußte – das fand ich eigentlich nicht lustig, denn ganau das war ja auch uns passiert.

Und die Lösung?

Justus: Der in dem Forum gegebene Tip leuchtete mir sofort ein: man näht zwei oder drei Augen an das Unterliek des Gennakers, durch die man eine leichte Sorgeleine zieht. Diese beginnt fest am Schothorn und wird über einen kleinen Block am Hals in das Cockpit zurückgeführt. In dem Moment, wenn bei der Halse durch die Abdeckung des Groß der Druck aus dem Gennaker geht, zieht man das gesamte Unterliek an dieser Hilfsleine bis zum oder vor das Vorstag. Das

Gennaker-Rüssel der BUKEPHALOS; Foto: J. Pinckernelle

Segel fällt zu einer Art Wurst zusammen und kann dann an der neuen Schot ohne Streß und Reibung auf die neue Seite gezogen werden – und zwar innerhalb des Dreiecks zwischen Vorstag und dem eigenem Vorliek. Die Schoten bleiben damit auf dem Bugspriet und werden nicht vom Bug überfahren.

Und das funktioniert?

Justus: Keine Ahnung – aber es klingt so überzeugend, dass ich die Näharbeiten und das Anbringen der Leine sowie Block und Klampe für die beginnende Saison bereits erledigt habe. Das Boot muss nur noch ins Wasser – und der Praxisbericht aus dem Wattenmeer wird sicher folgen!

Wir drücken jedenfalls feste die Daumen und sind schon sehr gespannt! Vielen Dank dafür, dass du uns an deinen Erfahrungen teilhaben lässt!

Noch ein Tipp zum Abschluss: Justus hat sich für den Rüssel entsprechendes Material besorgt und selbst geschweißt. Um das teure Carbonrohr zu schonen, hat er noch Holzmuffen auf Maß gedrechselt und in das Edelstahl mit 2K-Kleber einlaminiert. Läuft sehr smooth. An den Enden sind ganz normale Jollen-Spi-Baum-Beschläge, die er allerdings auch etwas dünner drehen mußte und ebenfalls einlaminiert hat.

Ein Kommentar

  • Vielen Dank für diesen spannenden Bericht und natürlich das Ausprobieren!

    Zu der Sache mit den verlorenen Spi-Schoten möchte ich etwas ergänzen. Alle Boote mit Gennaker (bzw. asymmetrischen Spinnaker wie er hier in England genannt wird) die ich bisher gesehen habe werden mit Barberholern an den Wanten gefahren, so dass die Schot eigentlich nicht mehr weit unters Boot geraten kann. Hier am Beispiel des RS200 den wir mal gesegelt sind, das sieht aber auch bei größeren Booten so aus:
    https://www.rssailing.com/wp-content/uploads/2017/09/RS200Nationals20162.jpg
    So sieht das dann im Querschnitt aus:
    http://budworthsc.org.uk/wordp3/bsc-media/fleets/classes/RS200_ai_s.jpg

    Wenn der oben gezeigte Querschnitt für die Sailhorse so stimmt dann scheint entweder das Gennaker zu groß oder der Baum vorne zu kurz zu sein (tippe auf letzteres) um die Barberholer des normalen Spinnakers nutzen zu können…

    Ich bin auf jedenfall auf weitere Erfahrungen mit dem Gennaker gespannt und wünsche viel Spaß damit!

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