Vom Winde verweht – Spinnaker-Segeln mit der Sailhorse (1)

Manchen gilt es als höchste Kunst: Das Spi-Segeln. Viele haben großen Respekt vor der großen Blase. Denn es sind ordentliche Kräfte, die damit unsere Sailhorse antreiben. Aber bisher hat noch ein jeder, der sich auf den Spinnaker eingelassen hat, enormen Spaß daran gefunden. 

Segeln geht auch nur mit Spinnaker – Foto: Olaf Heiden

Segeln nur unter Spi vor Freest – Foto: Olaf Heiden

Wir unterstützen den Weg dorthin. Wer anfängt, sollte folgende Regeln einhalten:

    1. Fangt bei mäßigem Wind an! Sogar ohne Wind kann geübt werden – z. B. das Setzen und Bergen oder die Handhabung des Spi-Baumes. Meine Vorschoterin hat sich den Baum im Winter nach Hause geholt, um ihn in ihr Winter-Fitness-Training einzubeziehen.
    2. Macht Euch mit der Theorie vertraut! Wo ist oben? Wo unten? Was ist ein Barberholer? Vielleicht habt Ihr eine Kollegin, die Euch auch die Praxis zeigt?
    3. Lasst Euch Zeit! Zu viel los auf dem Wasser? Viel Wind? Brecht es nicht übers Knie. Denn wenn die  Bedingungen gut sind, ist es von Beginn an ein ruhiges, harmonisches Segeln. Und wenn darüber eine Saison vergeht – so what, wenn’s dann in der zweiten läuft.

Lasst uns also zunächst mit einer (im ersten Teil) möglichst einfachen Anleitung beginnen und mit einigen Grundlagen, ohne die es nicht geht. (Hier ist die Abkürzung zu Teil 2 – Setzen und Bergen)


„Der Spi ist die Diva unter den Segeln: Außergewöhnlich und beeindruckend, aber auch launisch und volle Aufmerksamkeit verlangend.”


Die Basics

Spinnaker am Steg setzen - Foto: D. Jahnke

Spi-Setzen-Üben am Steg, Foto: D. Jahnke

Der Spi (Spinnaker) ist ein rundgeschnittenes Segel, das bei achterlichen Winden und fast bis halben Wind gesegelt werden kann.

Er wird vor dem Vorstag gefahren.

Seine Besonderheit ist, dass er mit freien Lieken an zwei Schoten gefahren wird. So wechseln schon mal die Funktionen der Lieken – und damit auch die Namen der beteiligten Teile!

Er verschafft mindestens einen Knoten mehr Fahrt und hält bis zu vier Windstärken aus – zumindest bei den für Sailhorse üblichen Nylon-Segeln mit 0,75 oz. Die Cracks fahren bis 6 Bft, sollten dann aber auch ein höheres Tuchgewicht haben. Kurse lassen sich unter Spi gut halten.

Wechselnde Funktionen, wechselnde Bezeichnungen

Der Spi ist symmetrisch, aber

in Luv heißt

  • die Schot „Achterholer” („Luv-Schot”),
  • die untere Ecke des Spi „Hals”,
  • das Luv-Liek „Vorliek”.

In Lee heißt es

  • „Schot” („Lee-Schot” oder „Spi-Schot”),
  • die untere Ecke des Spi „Schothorn” oder auch „Lee-Horn” und
  • das Lee-Liek „Achterliek”.

Die Schoten sollten bei der Sailhorse je mind. 12 m lang sein.

Wenn man diesen Teil verinnerlicht hat, hat man schon so gut wie gewonnen.


Die Namen helfen uns dabei, die richtigen Dinge zu tun, so wie wir es von den anderen Segeln eigentlich schon kennen. Zum Beispiel: Bei zu viel Krängung: Segel auffieren – beim Spi also die Lee-Schot.


Luv-Schot

Mit der Luv-Schot wird der Winkel des Spibaumes zum Wind eingestellt.

(Sie wird nach der Halse zur Lee-Schot.)

Lee-Schot

Ist das Haupt-Trimm-Instrument für den Spi.

(Sie wird nach der Halse zur Luv-Schot.)

Barberholer

Mit den Barberholern wird der Winkel der Schoten verändert. Insbesondere durch das Dichtholen des Lee-Barberholers wird das Lee-Horn nach unten gezogen und damit der Spi flacher getrimmt.

Spinnakerfall

Mit dem Spifall wird der Spinnaker gesetzt. Er läuft oberhalb des Vorstags über den Spifall-Block, dann (meist im Mast) wieder zum Mastfuß über einen Umlenkblock in die Plicht. Bei starkem Wind sollte ein Spiel von ca. 20 cm unterhalb des Spifall-Blocks verbleiben, bei schwachem Wind möglichst hochziehen.

Bei den Sailhorse läuft meist ein Gewicht auf dem Vorstag, das mit dem Spi-Fall verbunden ist und beim Bergen dafür sorgt, dass der Spi auch fällt.

Auch gibt es bei Sailhorse mit Rollfock meist einen Abstandhalter auf dem Fock-Vorliek, der dafür sorgt, dass das Fock-Vorliek das Spifall nicht mit einrollt.

Toppnant (Baumaufholer) und Niederholer

Mit dem Toppnant (und dem Spibaum-Niederholer) wird die Höhe des Spibaumes eingestellt. Ein bewährter Ausgangspunkt ist bei der Sailhorse ein 90°-Winkel zwischen Vorstag und Spibaum.

In der Regel werden die Sailhorse-Holer an Beschlägen in der Mitte des Spibaums angeschlagen. Es gibt auch Varianten (kombinierter Toppnant/Niederholer, „Schießbaum”), die wir hier nicht behandeln.

Empfehlenswert ist ein Gummiseil-Rückzug für den Niederholer. Das Gummiseil sichert den Niederholer mit einem Mindestzug und hält ihn dadurch frei. Bei mehr Wind muss er allerdings belegt werden.

Spinnaker-Baum

Der Baum bringt Ruhe und Stabilität in den Spi und wird immer in Luv gefahren. An beiden Enden (Spibaum–Nock) hat er Beschläge zum Einklinken.

Merkpunkte:

  • Der Spibaum sollte einen rechten Winkel zum scheinbaren Wind bilden.
  • Der Spibaum sollte in Flucht mit dem Großsegel-Baum stehen. (Das gilt nicht immer. Auch ergibt sich durch das Vorstag eine Begrenzung des Winkels).
  • Der Spi-Baum wird von „innen nach außen” gesetzt und von „außen nach innen” geborgen

Manche setzen erst den Spi selbst und picken dann den Baum ein, dies ist allerdings nur bei Kursen platt vor dem Wind empfehlenswert, z. B. wenn der Spi auf der „falschen” Seite (Luv) bereit liegt.

Noch mal als Übersicht:


Weiter geht es mit Teil 2 – Setzen und Bergen


 

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