Der Spi ist dein Freund! 2 – setzen und bergen

Der Spi ist mein Freund – Zeichnung A. Detzler

Der Spi ist mein Freund? Gut, vielleicht ist es nicht die Liebe auf den ersten Blick, aber spätestens nach dem zweiten oder dritten funkt es mit ziemlicher Sicherheit.

Die Basics zum Spinnaker auf der Sailhorse haben wir in Teil 1 behandelt. Daher geht es in diesem Beitrag darum, wie diese große Blase gesetzt und geborgen wird. Damit sich die Freundschaft auch entwickeln kann, gehen wir es  weiter langsam an. Wir üben bei moderatem Wind oder sogar am Steg.


Übrigens: Die Hinweise in kursiver Schrift sollten die Anfänger zunächst nicht beachten.


Spi-Setzen

Mit oder ohne Fock?

Der Spi ist ohne Fock oder Genua besser zu kontrollieren, daher ist es für Anfänger eine gute Idee, das Vorsegel erst mal wegzurollen (oder wegzubinden). Auch ist die Sicht auf den Spi selbst und den Schiffsverkehr freier. Ist aber nur bei wenig Wind und vor dem Wind empfehlenswert, da sonst der Wind heftig in das doch recht große Segel fahren könnte.

Lee oder luv?

Normalerweise wird der Spi auf Kielbooten in Lee gesetzt, auf Jollen in Luv. Bei der Sailhorse geht beides, erfordert aber eine etwas andere Handhabung. Wir gehen vom Setzen in Lee aus.

Schot-Führung

Nicht durcheinander kommen! Zeichnung A. Detzler/SaF

Beim Einsatz einer Fock werden die Spi-Schoten über die Fock-Schoten hinweg und außerhalb der Wanten geführt. Sie kommen dann auf der Leeseite zwischen Mast und Wanten ins Cockpit.

Man zieht sie über die Fock-Schoten zwischen Wanten und Vorstag aus dem Cockpit (und später wieder herein).

Bei der Sailhorse kann man die Spi-Schoten auch unter den Fock-Schoten führen. Es gibt Sailhorser, die schwören auf diese Variante.

Genua

Beim Einsatz einer Genua werden die Spi-Schoten Zwischen Verstagung und Mast und unterhalb der Genua-Schoten geführt. In diesem Fall müssen sie vor und nach dem Setzen wieder gelöst werden.

Spi anschlagen

Zunächst muss der Spi, falls nicht schon geschehen, auf die erwartete Lee-Seite verbracht werden.

Die meisten (guten) Spinnaker haben farblich gekennzeichnete Lieken (am Kopf kommen rot und grün zusammen), so dass man beim Anschlagen wenig falsch machen kann.

Beide Lieken werden einmal durch die Hände gefahren, um Verdrehungen zu entfernen, bzw. zu vermeiden.
Wir empfehlen Brummel-Haken für das Anschlagen, da diese sicher und schnell zu bedienen sind, auch wenn mal die Seite gewechselt oder Verdrehungen beseitigt werden müssen.

Spibaum anschlagen

(Während einer Regatta: Vor der Luv-Boje)

  1. Toppnant auf die erste, ungefähre Höhe des Spi-Baums einstellen oder dem Steuermann bereitlegen.
  2. Den Spibaum in die Luv-Schot vor den Wanten einpicken.
  3. Anschließend den Baum am Mast anschlagen und den gewünschten Winkel (Ausgangslage bei SH: 90° zum Vorstag) mit dem Toppnant einstellen.
  4. Insbesondere bei mehr Wind die Höhe durch den Spibaum-Niederholer sichern.

Zum Üben und bei wenig und raumen Wind, kann auch zunächst auf den Spibaum verzichtet werden.

Schoten belegen

Sofern noch nicht gemacht (in diesem Fall kontrollieren):

  1. Lee-Schot fast dicht belegen (vermeidet „Stundenglas”). Am besten mit einer Markierung auf der Schot dort, wo diese auf einem spitzen Raumschots-Kurs in der Belegklemme liegen würde.
  2. Beide Barberholer belegen, für den Anfang ruhig relativ dicht.
  3. Luv-Schot soweit dicht ziehen, dass sich Spi-Schothorn und Spibaum am Vorstag berühren. Oft wird dabei der Baum bis zum Luvwant gezogen. Er muss dann sofort zurück zum Vorstag gedrückt werden.
  4. Vorsegel dicht nehmen (verhindert, dass sich der Spi um das Vorstag herumwickelt) und Großsegel auffieren (schützt den Spi vor einfallenden Böen).

Spi ziehen

(In Regattasituation schon knapp vor der Wendemarke)

  • Bei stärkerem Wind annähernd vor den Wind gehen.
  • Der Vorschoter meldet den Spi bereit und drückt dem Steuermann die Schoten in die Hand
  • Der stellt sich hin und nimmt die Pinne zum Steuern zwischen die Beine.
  • Der Steuermann zieht das Spi-Fall zügig bis ca. 20 bis 30 cm unter den Fall-Umlenkpunkt am Mast. Da der 20-cm-Abstand schlecht zu kontrollieren ist, das Fall markieren (z. B. Faden einnähen).
  • Der Vorschoter sorgt dafür, dass das Segel sauber und ohne zu verhaken läuft
  • und drückt er den Spibaum bei Bedarf nach vorne, so dass (Luv-) Schothorn und Spinnakerbaum-Nock zusammenliegen.
  • Der Steuermann bringt den Spi zum Stehen. Die dazu erste und wichtigste Maßnahme (nachdem der Spi oben und der Spibaum vorne ist!): Spibaum durch Luv-Schot auf die richtige Position (dicht-) holen.
Sailhorse mit gesetztem Spinnaker

„Ein schöner und befriedigender Moment!” – Foto: M. Fohler

Erst jetzt soll und wird sich der Spi mit Wind füllen. Ein schöner und befriedigender Moment!


Der aufmerksame Leser hat sicher bemerkt, dass der Steuermann vier Hände braucht: Für die Schoten und zum Fall-Ziehen. Das geht aber, denn wenn die Schoten wie beschrieben belegt sind, kann er sie sich nur bereit legen, erst den Spi heißen, dann belegen, und dann mit den Schoten trimmen. Natürlich könnte auch der Vorschoter bei den Schoten bleiben. Dann ist er aber bei Unklarheiten nicht oder nur beschränkt einsatzbereit.


Schoten übergeben, Sitzpositionen einnehmen

So, nun müssen nur noch die Schoten an den Vorschoter übergeben und die Sitzpositionen eingenommen werden.

Die normalen Sitzpositionen beim Spinnakern sind: Steuermann in Lee, Vorschoter wegen der besseren Sicht auf den Spinnaker in Luv.

Probleme beim Setzen des Spis

Schwierigkeiten entstehen meist,

  • wenn der Wind sehr gering ist und/oder achterlicher einfällt, als bei Manöverbeginn.

Vor dem Wind bei sehr wenig Wind segeln kann bedeuten: Man segelt eine Halse ohne es zu merken. Kommt der Wind zurück, steht der Spi-Baum hinter dem Vorstag auf der „falschen Seite” (Lee). Hektische Manöver führen dann dazu, dass sich der Spi gerne mal um das Vorstag wickelt.

  • Auch neigt der Spibaum dazu, bei wenig Wind nach achtern zu rutschen, was zu dem vorgenannten Effekt bei weiter vorlich auswandernden Wind führt.

Vorlicher Wind und ohne Spi-Baum – selbst für erfahrene Segler ein Problem. Foto: R. v. d. Sluis

Abhilfe: Der Vorschoter drückt den Spibaum nach vorne bis ans Vorstag, der Steuermann korrigiert den Kurs und der Spi kann eigentlich nur noch vor dem Vorstag nach Lee.

Helfen kann in beiden Fällen auch, das Großsegel zu schiften, auch wenn man dabei kurzfristig „übergeigt” fährt. Dabei leitet das Groß den Wind auf die andere Seite des Spis.

Übrigens: Mit stehender Fock entsteht dieses Problem kaum noch, wenn aber, dann richtig. Denn dann wickelt sich der Spi auch gerne noch um die Fock.


Empfehlung: Falls Ihr mit dem Spi-Fahren beginnt, versucht so schnell wie möglich zu üben, den Spi mit Fock und mit Spibaum zu setzen. Danach könnt Ihr die Fock bei Bedarf wieder einholen, was bei Kursen vor dem Wind sinnvoll sein kann.


  • Ein weiteres Problem ist die berüchtigte „Sanduhr”. Entsteht diese, hilft es, das Spi-Fall ein gutes Stück zu fieren, so dass sich die Sanduhr herausdrehen kann.

Der Ablauf im Video

Ein schönes Video ist hier zu finden:

 

Spi bergen

Vor der Lee-Boje Spi bergen: Wie man sieht, es geht in Luv und in Lee –
Foto: R. v. d. Sluis

An sich ist das Bergen sehr einfach: Alles in umgekehrter Reihenfolge zum Setzen. Also:

  • Kurs möglichst vor dem Wind und bergen möglichst in Lee.
  • Falls die Fock eingerollt ist, sollte sie jetzt wieder ausgerollt werden. Muss nicht, ist aber besser bei Raumschotkursen, mittlerem Wind oder anschließender Wende (z. B. bei Regatta, s. Foto).
  • Der Steuermann übernimmt die Schoten und steuert mit der Pinne zwischen den Beinen. Alternativ sitzt er in Luv. Wichtig ist, dass er Luvschot und Spi-Fall kontrolliert.
  • Steuermann fiert das Spi-Fall ca. 1 Meter.
  • Der Vorschoter nimmt die Lee-Schot dicht (ggf. unterstützt durch einen abgesenkten Spibaum). Der Spi sollte durch die Abdeckung des (aufgefierten) Großsegels in sich zusammenfallen, so dass der Steuermann das Lee-Schothorn packen kann. Bei Bedarf fiert der Steuermann die Luv-Schot ca. 30 bis 40 cm. Auf keinen Fall loswerfen!
  • Auf Kommando des Vorschoters fiert der Steuermann Luv-Schot und Spi-Fall synchron zum Einziehen des Spis durch den Vorschoter.
  • Vorschoter sichert den Spi.

Wenn nun keine Zeit mehr zum Bergen des Spibaums bleibt, kann man erst die Wende fahren. Zwar fehlt der Vorschoter dann zunächst für den Am-Wind-Schlag, aber mit Fock ist man auf jeden Fall besser unterwegs als ohne.

Spibaum bergen

Von innen nach außen (umgekehrt zum Setzen). Dabei muss man nicht auf das Vorschiff, bzw. kleinere Segler nur mit einem Fuß für das Aushaken am Mast:

  • Spibaumam Mast aushaken …
  • in die Plicht führen
  • an Luv-Schot auspicken.
  • Topnant und Niederholer auspicken
  • und Baum verstauen.

So, dass war es zum Thema „Setzen und Bergen”. Den Trimm des Spis behandeln wir in Teil 3.


 

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