EuroCup 2019 – Der Bericht

von Dagmar Altenhöner und Ralf Wassmuth
(Die Ergebnisse sind hier zu finden)

Aus Good Old England war die Anreise von GRISU auch nicht kürzer, bedeutete jedoch weniger Straßenkilometer. Foto: M. Fohler

Austragungsort des EuroCup 2019 war Oudega in Friesland, jenseits von Sneek und nur wenige Kilometer vor dem Ijsselmeer gelegen. Das hies 665 km Fahrt von Berlin aus. Dabei hat sich die Anreise mit einer südlicheren Route über Bad Oeynhausen und Osnabrück (A2, A30, A 31) anstatt der bekannteren Route über Bremen als deutlich vorteilhafter herausgestellt.

Oudega – der Ort des Geschehens

Friesland heisst: schmucke kleine Städtchen mit rot gepflasterten Häusern und Strassen. „Es sieht alles so wohnlich aus“, so ein Crew-Mitglied der RED HORSE. 
Welch schöne Gegend. Überall Wasser, Kanäle, Brücken, gepflegte Häuschen, jede Menge Tiere und fröhliche Friesländer. Die friesischen Meere kennen praktisch keine Uferabdeckung, drumherum nur feuchte Wiese und der Wind kann ungehindert über die Gewässer blasen. Dies gilt auch für den „Wassersport-Campingplatz De Bearshoeke“. Je nach Ausrichtung sind die Zelte dem beständigen Wind ausgesetzt.

Eine vorzeitige Anreise war durchaus von Vorteil, den die meisten deutschen Teilnehmer auch nutzten. Dann bleibt Zeit, sich in Ruhe auf dem malerisch gelegenen Campingplatz einzurichten oder die Unterkunft zu beziehen, zu slippen, die zu Hause vergessene Ausrüstung nachzukaufen, das schöne Städtchen Heeg (mit der Randmeer-Werft!) zu erkunden und einen Probeschlag auf dem Oudegaaster Brekken zu unternehmen.
Die Duschen waren heiss und liefen fast 6 Minuten, wenn man sie mit einer 50-Cent-Münze fütterte. Es gab Strom am Zelt, zumindest wenn man einen Landstrom-Adapter hatte. Die Gastgeber hatten einen Brötchen-Service organisiert, d. h. mit Vorbestellung vom Vortag bekam man die Brötchen nach Wunsch auf den Campingplatz geliefert.

Ankunft mit Oudega-Sunset & Zelt. Foto: R. Wassmuth

Dienstag und Mittwoch

Der Dienstag hatte bereits sehr viel Wind, doch der Mittwoch bot aus Sicht der Havel-geplagten Autoren beste Segelbedingungen: Bei sportlichen, aber nicht beunruhigenden 4 Bft mit Sonnenschein und später -untergang war man alleine auf dem Wasser. Noch keine Feiertagsausflügler und das Oudegaster Brekken als Sackgasse ohne Durchgangsverkehr oder Ausflugsschiffe. Selten solch lange Trapez-Schläge mit nur an den Landzungen berechenbaren Winddrehern. Dies galt auch für den Spi, der während der Wettfahrten aus SMILEY zwar gezogen, aber jedes Mal schnell wieder eingeholt wurde. (Es soll ja ab und zu ein Teufelchen im Spi geben, der den Vorschotern das Leben schwer macht …)
Es war, wie SMILEY zu recht prophezeite, der schönste Segeltag der Woche.

Das „Deutsche Eck” mit RED HORSE, GRISU, INKUS, SMILEY und SUNHORSE – Foto: R. Wassmuth

Vor den Rennen

Erfreulich: Viele für uns neue niederländische Boote nahmen teil, darunter viele junge Väter mit ihren halbwüchsigen Söhnen. Geographisch bedingt gab es auch mehrere Boote vom Paterswolder Meer bei Groningen, die sonst selten oder gar nicht am EuroCup teilnehmen. 
So kamen rekordverdächtige 28 Meldungen zusammen. Und auch die darin enthaltenen 6 deutschen Meldungen überstiegen die Zahl des im letzten Jahr in Deutschland organisierten EuroCups deutlich.

Die Anlage der Regattabahn war für holländische Verhältnisse erfreulich übersichtlich. Man konnte das Startschiff schon vom Hafen aus ohne lange Anreise sehen. Im Allgemeinen hat man in den Niederlanden wohl Freude daran, einen komplexen Kurs mit vielen Tonnen in den letzten Winkeln des Reviers auszulegen, so in Sneek und auch in Roermond 2017. In Oudega gab es einen konventionellen „olympischen” Dreieckskurs, den man sich auch ohne Mitschreiben merken konnte. Jede Einzelwettfahrt dauerte um 50 min, so daß 4 – 5 Wettfahrten pro Tag zwar kräftezehrend, aber machbar waren.

So wünschen sich Segler ein perfekt organisiertes Startschiff – Foto: SSC rba

Der gute Ruf des Wettfahrt-Komitees bestätigte sich während der Veranstaltung, die Signale waren klar und eindeutig. Dass viele Teilnehmer am ersten Tag einen falschen Kurs fuhren, lag am Herdentrieb, nicht an der Rennleitung (die Bahn war unübersehbar angezeigt, wie nebenstehendes Foto beweist) und führte zu einem kuriosen (Zwischen-) Ergebnis.

Kurios: Im ersten Rennen nur drei Wertungen. Foto: N. Altenhöner

Donnerstag und Freitag

Erst Ausleger-, dann Ruderbruch – Foto: D. Altenhöner

Kann man bei 6 Bft. wirklich rausfahren?
Doch, das kann man, ist die holländische Antwort – aber es geht immer was zu Bruch, so der Skipper des VLIEGENDEn BRABANDER. Gestresste Teilnehmer hatten bisweilen sogar den Eindruck, als ob es den Holländern noch nicht windig genug sei und man deswegen noch warten würde.

Doch so etwas hätte man ahnen können, denn bereits in den Segelanweisungen stand, dass erst ab 33 Knoten abgebrochen würde (nicht ganz 30 wurden in Spitzen erreicht), in Deutschland lehrt der DSV, im Regelfall bis max. 25 Knoten Wind zu segeln. Und so fuhren zwar alle Boote am ersten Tag zum Start, doch ca. 10 drehten früher oder später wieder um. Die Teams GRISU, RED HORSE und SMILEY verfolgten am ersten Tag das Geschehen per Fernglas vom Ufer aus und griffen erst ab dem zweiten Tag ein.
Der zu zahlende Tribut bestand an beiden Tagen neben Ruderbruch aus Kenterungen unter Spi, gerissener Fockspannleine (was BUMME2 nicht vom Siegen abhielt), angerissenem Segel und ausgerissenem Fockschotblock (zwischen zwei Rennen kurz im Hafen gerichtet) und Baumniederholer-Beschlag – um nur einiges zu nennen. Zwei Vorschoter gingen beim rasanten Wenden und zackigen Dichtholen der Fockschot über Bord – aber immer mit aufmerksamer und tatkräftiger Unterstützung der Rescue-Teams.

Wehe, wenn sie losgelassen: Sailhorse-Spi-Armada auf dem Weg zum Gate. Foto: SSC rba

Überlebt – daher trotzdem super Stimmung.

Nach dem Anlegen entstand jedes Mal geschäftiges Treiben. Eingerissene Segelhandschuhe oder Nieten wurden in Heeg ersetzt, Werkzeugkästen hin- und hergetragen, Werkzeuge und Material ausgetauscht, sogar ein neues Ruder fand sich vor Ort. Die Stimmung: Fast euphorisch.

Gehört es in Deutschland zum guten Ton, den auswärtigen Gästen einen festen Liegeplatz zuzuweisen, herrscht in Holland das Prinzip „wer zuerst kommt, parkt zuerst“. Dazu gehört auch, dass, wer in der Regatta mit dem letzten Drittel ins Ziel fährt, dann noch mit belegten Parkplätzen bestraft wird. Am Freitag kulminierte dieses Prinzip im Festmachen einer stählernen Motoryacht mitten im Sailhorsehafen. Dass sie den Namen „Stählernes Roß“ trug, minderte dieses Ärgernis nur unwesentlich, wobei die holländischen Sailhorse einfach drumherum parkten.

Der Abend klang dann mit dem Käptn’s Dinner im proppevollen Lokal mit über 70 Personen aus. Dabei gab es reichlich Gelegenheit über seglerische Herausforderungen zu plaudern: Was ist der optimale Spischnitt? Wieso killt das Achterliek der Fock trotz Versetzung der Fockholepunkte. Was passiert auf der Startlinie, wenn ein Boot dort „einparkt“? Wie erkenne ich die bevorteilte Segelseite?
Auf dem Weg ins Bett gab es die neuesten Infos des Wettfahrtkomitees: Am letzten Tag des Eurocups werden alle 4 Wettfahrten hintereinander, ohne Pause, gesegelt!

Samstag und Sonntag

Foto: R. Deen

Die Entscheidung war von Weitsicht geprägt. Denn der Morgen begann zwar erneut mit frischem Wind, doch er ließ ab Mittag schon deutlich nach. Aus Sicht SMILEY: Wunderbares Wetter, schöner Wind, gute Starts, einige sehr gute Zielmanöver und vor allem: Alle vier Wettfahrten durchgehalten!
Nach der Rückkehr in den Hafen haben viele Holländer blitzschnell ihre Boote geslippt, sodass vor der Siegerehrung die meisten Sailhorse bereits reisefertig waren. 
Die Siegerehrung fand in geradezu kontinentaler Hitze mit kaltem Dosenbier für alle statt. Mit BUMME2 konnte jenseits der üblichen Verdächtigen ein Vater-Sohn-Duo gewinnen, das sich in den letzten Jahren kontinuierlich nach vorne gearbeitet hatte. Der Vorsprung auf die Altmeister von BIG DEAL blieb aber mit 1 Punkt denkbar knapp. Die Sieger wurden zu einem traditionellen Bad im See genötigt.

Im nächsten Jahr soll es den EuroCup traditionell wieder in Deutschland geben. Vermutlich wird er in Berlin ausgetragen, weil sich dort wohl die grössten Teilnehmerfelder aus deutscher Sicht mobilisieren lassen. Wir freuen uns auf viele niederländische und deutsche Teilnehmer in einem seglerisch, kulturell und landschaftlich attraktiven Revier.

(Die Ergebnisse sind hier zu finden)

Ein Kommentar

  • Manuel (Grisu)

    Vielen Dank für diesen tollen Bericht. Wir werden noch lange an die schöne Reise zurückdenken, hat uns sehr gefreut euch alle wieder zu sehen!

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