Sailhorse-Gennaker – Update

Justus kann von Fahrten mit dem Gennaker berichten:
„Jedenfalls waren wir mal wieder draußen zwischen Föhr und dem Festland, der Wind kam mit 2 bis 3 Bft aus Süd/Süd-Ost – ideale Bedingungen für ein keines Gennaker-Training, Richtung Nord vor Föhrs Ostufer vor dem Wind gekreuzt, ein paar Halsen geübt, aber auch etwas die Zeit vergessen und  später zurück zum Hafen gegen den Wind gekreuzt, allerdings mit dem dann beginnenden Ebbstrom …”

Dabei hat er Fotos aus dem Cockpit gemacht. Und er fasst seine Erfahrungen mit dem Gennaker für uns zusammen:

  • Die Menge an Strippen ist eine ziemliche Tüddelei, trotzdem hat jede Leine ihren Zweck und hat diesen auch erfüllt.
  • Allerdings erfordert die Vorbereitung doch eine hohe Konzentration. 
  • Es genügt nicht, wenn man drei-dimensional denken kann: es ist gefühlt mindestens fünf-dimensional!
  • Hisse ich an Backbord oder Steuerbord?
  • Hisse ich vor oder nach dem Einrollen der Fock?
  • Letzteres ist sicher einfacher wegen der sonst noch aktiven Fock-Schoten.
  • Andererseits bietet die Fock einen guten Windschatten beim Hissen, so dass sich das Ganze nicht zu früh selbständig macht.
  • Wo führe ich die Hole-Leine zur Rüsselspitze, von dort zum Hals, der sich noch mit 25 qm Segel im Sack im Cockpit befindet?
  • Dasselbe: die kleine weiße Leine, mit der vor dem Hissen und für die Halsen das Unterliek gerafft wird?
  •  Wann fahre ich den Bugspriet aus?

Fragen über Fragen. Aber: es geht, wenn man sich auf die alte Spinnaker-Regel besinnt, alle Fallen, Schoten, Hilfsleinen, etc. ganz außerhalb von allen anderen zu führen.
Das aber ist nicht immer einfach, wenn die Fock [oder sogar Genua] auf dem Vorwind-Kurs noch recht weit außen steht. Steht aber erst mal alles oben, ist es eine traumhafte Rauschefahrt, gefühlt legt man richtig zu.
Halsen machen Spaß, ist mit der Hilfsleine tatsächlich leicht zu bewältigen, obwohl ja 25 qm aus der Hand zu fahren deutlich mehr sind als bei unserem Sailhorse Spinnaker.

Nun aber ein paar Bilder von der Fahrt:

Den Bericht zum Projekt gibt es übrigens hier mit einem Nachtrag hier.

Ein Kommentar

  • Manuel (Grisu)

    Toll zu sehen, dass sich das Gennaker-Projekt weiterentwickelt!

    Ich nehme an die Fragen waren nicht nur rein rethorisch? Ein paar Infos zur Handhabung kann ich beisteuern von unseren Ausflügen auf verschiedenen Booten mit asymmetrischem Spinnaker wie er hier in England genannt wird. Also auf die Gafahr hin, dass alles schon bekannt ist, hier was wir beigebracht bekommen haben:

    Der Bugspriet sollte vor dem Setzen des Gennaker ausgefahren werden und erst nach dem Reinholen des Gennaker wieder eingefahren werden. Bei den moderneren Booten mit Bergesack passiert das automatisch durch bedienen des Spifalls, aber das ist der Ablauf.

    Der Gennaker wird wie der klassichen Spinnaker auf einem Kurs direkt vor dem Wind in Lee gesetzt und auch wieder heruntergenommen, damit hat der Gennaker auch bei viel Wind keinen Druck. Durch Anluven bekommt der Gennaker mehr Druck je spitzer man zum Wind kommt, bei Halbwind ist dann meistens Schluss weil das Vorliek beginnt einzufallen. Bekommt man zu viel Druck im Segel kann man diesen durch abfallen reduzieren, natürlich muss die Schot entsprechend bedient werden (ähnlich wie man eine Genau bedienen würde). Vor dem Wind bringt der Gennaker nur wenig (im Gegensatz zum symmetrischen Spinnaker), daher muss man mit dem Segel quasi vor dem Wind kreuzen, also Kurse mit achterlichem Wind und Halsen kombinieren.

    Zur Fock kann ich nicht viel sagen, nur dass sie auf den modernen Booten unter Gennaker immer stehen bleibt. Zum Teil wird das aber daran liegen, dass die leichten Renner oft keinen Fockroller haben, aber ich habe auch bei den größeren Booten mit Fockroller nie gesehen, dass jemand seine Fock unter Gennaker einrollt. In einer Trimmanleitung zum klassischen Spinnaker habe ich gefunden, dass ein Vorsegel vor allem auf spitzen Kursen hinderlich ist weil der Spinnaker bei Halbwind Schwierigkeiten hat zu stehen, das Problem ist bei dem Gennaker ja so nicht gegeben.

    Zur Leinenführung kann ich nichts sagen, das ist bei den modernen Booten weitestgehend automatisiert, so dass Rüssel und Spifall als eins funktionieren und auch zum aktiven Herunternehmen bzw. Einfahren des Rüssels genutzt werden. Auch eine Leine zum Reffen des Unterlieks gibt es da nicht,

    Wie gesagt, ich hoffe das hilft und ich habe keine rethorischen Fragen beantwortet 🙂

    Liebe Grüße aus England,

    Manuel

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