… und ihre Freunde: Ein Vergleich

Offene Segelboote in der 6-Meter-Klasse kommen i. d. R. in einem unprätentiösem Stil daher. Neuentwicklungen gibt es wenige. Wenn, dann als moderne Rennmaschinen mit Schwenkkiel, Flügelkieler oder Mini J-Klasser im Retro-Stil, die es aber i. a. R. z. B. nicht in eine Yardstick-Wertung schaffen.

Bei der Kombination von Alltags-, Schul-, Touren- und Regattasegeln kann aber auf die bewährten Konstruktionen aus den 1960er und 1970er Jahren zurückgegriffen werden, die auch das Umfeld für die Sailhorse bilden.

Für unseren Vergleich haben wir uns auf Bootstypen konzentriert, die ähnliche Segeleigenschaften und Maße aufweisen und die durch eine offene Bauweise, einen aufholbaren Ballastkiel und ⅞-Takelung gekennzeichnet sind. Die Zusammenstellung erfolgte mit Bedacht, trotzdem kann es nur eine Auswahl sein. Unsere LeserInnen sind gerne aufgefordert, die Gegenüberstellung zu erweitern.

Auffällig ist, dass nur ein Bootstyp unserer Zusammenstellung, der Kielzugvogel (KZV), aus einer deutschen Feder stammt – und prompt einen höheren Wert auf sportliche Eigenschaften legt. Dies gilt auch für die neueste Konstruktion unserer Gegenüberstellung, die Vision 600, in einer Racing-Version mit Gennaker ausgerüstet.

Für unseren Vergleich haben wir drei Kategorien gebildet: Maße und Besegelung sowie Kennziffern zum Geschwindigkeitspotenzial. Eine tabellarische Übersicht ist am Ende dieses Artikels zu finden.

Maße

Die offenen Hubkielboote unseres Vergleichs bewegen sich zwischen 5,51 m (C55) und 6,85 m (Skarl) Länge. Die Breite beträgt fast unisono ca. 2,00 m mit leichten Abweichungen nach unten (KZV 1,88 m) und oben (Impala 2,30 m). Dies ergibt eine große Plicht für in der Regel 4 zugelassene Personen, auch 5 sind meist kein Problem (lediglich im KZV und C55 wird es eng). Das Gesamtgewicht und das Gewicht des Ballastkiels werden durch die Größe, aber auch durch die Besegelung bestimmt. Die größten Gewichtsanteile im Kiel liegen wieder beim KZV (41,2 %) gefolgt von C55 und überraschenderweise Skarl 685 (je 40 %).

Interessant ist noch der hohe Mast der Efsix, der mit einem eher durchschnittlich großem Großsegel zu einem recht hochliegenden Großbaum führt. Dies erklärt, warum die Efsix beim Behindertensegeln so beliebt ist.

Besegelung

Auch die Besegelungskonzepte unterscheiden sich, wenn auch nur wenig. Wir finden bei den meisten Freunden der Sailhorse die klassischen Kombinationen von Großsegel, Fock, Genua und Spinnaker bzw. beim modernen Konzept der Vision 600 einen Gennaker. Das größte Großsegel finden wir bei der Sailhorse, die größte Fock bei der Skarl, gefolgt von der Sailhorse. Entsprechend verfügt die Sailhorse über die größte Gesamtsegelfläche von 21,1 qm.

Bei der Genua beginnen die Unterschiede deutlicher zu werden. Für die Efsix und andere ist keine Genua vorgesehen, beim KZV kein Spi. Dafür erlauben die Klassenvorschriften des KZV, dass  die Genua mit einem Spibaum ausgebaumt werden darf.

Kennziffern Geschwindigkeitspotenzial

Das Geschwindigkeitspotenzial eines Segelschiffs kann am besten durch die Segeltragzahl ausgedrückt werden, stellt sie doch Segelfläche mit Bootsgewicht nach dem Gedanken ins Verhältnis: Je leichter das Boot oder je mehr Segelfläche, desto größer die mögliche Geschwindigkeit. Die höchste Segeltragzahl erzielt auf der Grundlage von Großsegel und Fock der Kielzugvogel (KZV) mit 6,0, gefolgt von der Sailhorse (5,8) und Impala (5,7). Nimmt man die max. mögl. Segelfläche (Groß, Fock und Spi, bei KZV Genua statt Spi) als Grundlage, steht die Vision 600 an erster Stelle, gefolgt von Sailhorse und Impala (8,6). Wobei alle Werte in einem recht engen Korridor zwischen 5,2 und 6,0 bzw. 7,6 und 8,7 liegen.

Bei aller immer wieder erhobenen Kritik an der Yardstick-Erhebung ist sie doch eine weitere wunderbare Vergleichsmöglichkeit und zeigt auch, dass die von uns ausgewählten Boote vergleichbar schnell sind oder besser: gesegelt werden. Denn in die Ermittlung des Yardstick-Wertes (bzw. in den NL des SW Rating) fließt ein, wie schnell die Boote im Vergleich zu anderen gesegelt werden. Nicht zuletzt abhängig vom Vermögen der SeglerInnen schnell zu segeln und damit sicher von der Lebendigkeit und Größe der Klassen-Regatten.

Diese These wird gestützt durch die Unterschiede zwischen den deutschen und den niederländischen Werten. Die Randmeer wird in den Niederlanden mit einem SW Rating von 108 gesegelt, also etwas schneller als die Sailhorse (109), obwohl sie ein niedrigeres Geschwindigkeitspotenzial aufweist. In Deutschland fällt sie dagegen mit einem Yardstick von 115 deutlich ab. Was für ein in den Niederlanden ausgeprägteren Wettbewerb bei den Randmeers spricht. Und obwohl die niederländischen Sailhorser in aller Regel schneller als die deutschen unterwegs sind, sind sie im Vergleich zu anderen niederländischen Bootsklassen doch einen Tick langsamer.

Beim KZV ist es genau umgekehrt, wenn auch nicht mit solch extremen Unterschieden: In Deutschland wird er seinem Potenzial entsprechend schneller gesegelt. In den Niederlanden dagegen deutlich langsamer als Sailhorse und Freunde. Für die Skarl und die Vision 600 gibt es keine Vergleichswerte: Die Skarl wird als ausgesprochener Tourensegler wohl kaum auf Regatten gesegelt, die Vision 600 ist bei den nationalen Verbänden noch nicht aufgetaucht.

Zusammenfassend kann gesagt werden: Alle verglichenen Boote sollten das gleiche Geschwindigkeitspotenzial haben und könnten ohne Handycap gegeneinander segeln, wenn auf eine Genua verzichtet wird. Mit zwei Ausnahmen: Das etwas modernere Konzept der Vision 600 könnte auf Spi-Kursen einen allerdings nur leichten Vorteil bedeuten. Und der Kielzugvogel hat durch sein geringes Gesamtgewicht und die höhere Segeltragzahl ohne Spi Vor- und Nachteile, die sich bei verschiedenen Bedingungen unterschiedlich auswirken dürften.


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